Netzwerk Blühende Landschaft
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Regionale Initiative: Hochtaunus

Wer sich der Gruppe anschließen möchte oder Fragen dazu hat, kann sich bei Andreas Kramer, Mail: melden.

NBL Regionalteam beim Bürgerempfang des Bundespräsidenten v.l.n.r: Frank Walter Steinmeier, Sebastian Budig, Beate Illbruck, Andreas Kramer, Foto: Guido Bergmann
NBL Regionalteam beim Bürgerempfang des Bundespräsidenten v.l.n.r: Frank Walter Steinmeier, Sebastian Budig, Beate Illbruck, Andreas Kramer, Foto: Guido Bergmann

Blühender Hochtaunus - In der Region tut sich was!

Fortlaufend möchten wir Ihnen einige bemerkenswerte Beispiele und Projekte aus dem Hochtaunuskreis vorstellen. Viel Spaß beim Lesen!

Blühender Hochtaunus- Interessensgemeinschaft Kirdorfer Feld bewahrt wertvolle Streuobstwiesen (Februar 2017)

Streuobstwiese mit Blick auf Kirdorf Foto: IKF
Streuobstwiesen prägen in Hessen, im Land der Apfelweinliebhaber, seit jeher die Kulturlanschaft. Doch sind die ortsnahen Bereiche mit blühenden Obstbäumen heute vielerorts Straßen und Wohngebieten gewichen. In den 50er und 60er Jahren zahlte man sogar Prämien für das Fällen von Obstbäumen.

Orchideenwiese Kirdorf Foto: S. Nawrath
Das Kirdorfer Feld blieb von dieser Entwicklung weitgehend verschont und ist heute ein lebendiges Beispiel für diese Jahrhunderte alte Kulturlandschaft. Nördlich von Bad Homburg gelegen, zwischen dem Stadtteil Kirdorf und dem Taunushang, befindet sich das etwa 160ha große Areal. Hier wechseln sich auf 3500 kleinen Flurstücken alte Obstbäume mit Hecken, einer Vielzahl an artenreichen Trocken- und Feuchtwiesen mit Brachen, kleinen Fließgewässern und Quellen ab. Von überregionaler Bedeutung sind zudem die Vorkommen seltenener Orchideen, die auf feuchten Standorten in Massen zu finden sind. Daher steht etwa ein Drittel der Fläche unter Naturschutz, außerdem ist das Kirdorfer Feld ein ausgewiesenes FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat).

Dennoch drohte auch den Streuobstwiesen in Kirdorf der Verfall. Ab den 60er Jahren verloren Kleintierhaltung und Apfelernte an Bedeutung. Durch fehlende Pflege der Kulturbäume verbuschten die Obstwiesen zunehmend.

Im Herbst 2005 gründeten zwei Grundstücksbesitzer, Harald Kämpfer und Michael Korwisi, eine Initiative zur Erhaltung dieses Kleinods. Die "Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld e.V." schaffte landwirtschaftliche Geräte wie Mäher, Mulcher, Traktoren und Freischneider an und begann mit Pflegemaßnahmen auf den Flächen. Mittlerweile hat der Verein rund 300 Mitglieder. Selbst gekelterte Säfte und Apfelwein, Apfelsecco, Calvados und Apfel-Gelee bringen Geld in die Vereinskasse. "Damit konnten zum Beispiel die rund 300 Obstbäume für Neupflanzungen finanziert werden", sagt der 1.Vorsitzende des Vereins Fred Biedenkamp.

Apfelblütenwanderung Foto: IKF
Die Interessensgemeinschaft ist auf lokalen Festen und Veranstaltungen präsent und lädt selbst zu Apfelblütenwanderungen oder Baumschnittkursen ein. 2014 übernahm der Verein sogar eine traditionsreiche Stadtteil-Gaststätte, und bewahrte so die Kult-Kneipe vor dem endgültigen Aus. In den "Glück's Stuben" finden seither die Vereinstreffen statt, Gäste sind willkommen. Sie können sich hier ein gutes "Stöffche" - original Kirdorfer Apfelwein - schmecken lassen. In den nächsten Jahren soll am Rande des Kirdorfer Feldes ein Multifunktionsgebäude entstehen. Neben Lagerräumen für Ernte und Maschinen sind Ausstellungs- und Seminarräume sowie ein Hofladen für die selbst erzeugten Lebensmittel und Getränke geplant. Das alles wollen die Mitglieder des Kirdorfer Vereins nicht nur für sich alleine beanspruchen. Die Räumlichkeiten sollen auch andere Vereine aus Bad Homburg nutzen können.
Mehr Infos gibts unter www.kirdorfer-feld.de

Blühender Hochtaunus- Alfred Westenberger, ein Kämpfer für Schmetterlinge (Juli 2016)

Schmetterlingsparadies am Großen Feldberg Foto: A. Kramer
Am Nordhang des Großen Feldbergs, der höchsten Erhebung im Taunus, befindet sich ein Schmetterlings-Paradies. Zwischen der alten Römergrenze, dem Limes, und der Gemeinde Oberreifenberg liegen die rund 5,5 Hektar großen "Reifenberger Wiesen". Aufgrund der steilen Hangsituation und der kargen Böden nutzen Bauern diese Flächen seit jeher extensiv. Eine regelmäßige Mahd und der Verzicht auf Pestizide und Dünger ließ hier sehr artenreiche Magerwiesen entstehen. Seltene Pflanzen wie Arnika, Türkenbundlilie oder die Weiße Waldhyazinthe wachsen hier. Rund ein Drittel der Fläche ist Flora-Fauna-Habitat und steht unter Naturschutz.

Schmetterlingskundler Alfred Westenberger Foto: A. Kramer
Der Schmetterlingskundler Alfred Westenberger vom Frankfurter Entomologischen Verein Apollo e.V. entdeckte dieses Kleinod vor rund 30 Jahren und besucht es seither regelmäßig. Von 2005 bis 2010 erfasste er dort sämtliche Schmetterlinge und kam auf 36 Tagfalterarten. Darunter auch der seltene Lilagold-Feuerfalter, der nur an vier Standorten in ganz Hessen vorkommt.
Westenberger beobachtete allerdings auch Fehler bei der Bewirtschaftung der Wiesen. So wurde in der Vergangenheit oft zu früh gemäht, was die Entwicklung mancher Art gefährdete. Nach Gesprächen mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium wurde erreicht, dass die Flächen seit ein paar Jahren frühestens Anfang August gemäht werden.

Lilagold Feuerfalter Foto/Copyrigt Alfred Westenberger
Westenbergers neuestes Projekt ist der Kauf von Flächen, um die artenreichen Wiesen langfristig schützen zu können. Unterstützt wird er dabei vom Wiesbadener Verein Naturefund, der die finanziellen Mittel aus Spenden bereitstellt. Naturfund-Geschäftsführerin Katja Wiese hat dafür Unterstützung zugesagt. Paten für dieses Projekt gewinnt die Initiative unter anderem bei den regelmäßigen naturkundlichen Führungen durchs Gelände. Geplant ist der Kauf von 20.000 Quadratmetern. Spenden für den Erwerb von rund 14.000 Quadratmeter der ökologisch wertvollen Wiesenflächen stehen der Naturschutzorganiation schon zur Verfügung.

Mehr dazu:
http://www.naturefund.de/projekte/alle_projekte/geschuetztes_land/reifenberger_wiesen.html
http://www.apollo-frankfurt.de/

Blühender Hochtaunus- Arche für seltene Ackerwildkräuter - ein Kooperationsprojekt des Hessenparks mit der Stadt Nidderau (Juni 2016)

Kornrade Foto: Andreas Kramer
Wer kennt heute noch den Venuskamm oder den Ackerklettenkerbel? Mit der Einführung des Brotgetreides nach Europa kam einst eine ganze Lebensgemeinschaft von über 100 Begleitpflanzen in unsere Gefilde. Von dieser üppigen Vielfalt, die viele Jahrhunderte unsere Kulturlandschaft prägte, ist heute kaum noch etwas zu finden. Die meisten dieser Ackerbeikräuter sind durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Düngung, moderne Erntemaschinen und verbesserte Saatgutreinigung äußerst selten geworden. Etliche Ackerwildkräuter sind ausgestorben.

Seit 1998 beschäftigt sich die Stadt Nidderau im benachbarten Main-Kinzig-Kreis intensiv mit dieser Thematik. In über 40 Beeten des stadteigenen Feldflora-Reservats ziehen Mascha Werth und Martina Klebe 60 verschiedene Ackerwildkräuter heran. "Hier entstand auch die Idee, Kooperationspartner zum Erhalt der Ackerwildkräuter zu gewinnen", so Stephan Zöller, Fachbereichsleiter Umwelt der Stadt Nidderau.

Feldbegehung Foto: Andreas Kramer
Geeignete Flächen fanden sich vor drei Jahren bei dem heutigen Projektpartner, dem Hessenpark in Neu-Anspach. Auf dem 65 ha großen Areal des Freilichtmuseums befinden sich etwa 12 ha bewirtschaftete EU-Bioflächen. Davon sind etwa 3-4 ha Ackerflächen, auf denen mit historischen Landmaschinen Roggen, Weizen, Dinkel, Emmer und Einkorn angebaut wird. Der Hessenpark nimmt schon länger eine Arche-Funktion für bedrohte Haustierrassen wahr und jetzt auch für bedrohte Ackerkräuter. Auf einem Teil dieser Feldflächen wurden in den vergangenen Jahren etwa 20 Arten aus Nidderau bei der Winteraussaat mit in den Boden gebracht.

Historischer Mähbinder  Foto: Volker  Weber

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie. Ende Juni trafen sich nun alle beteiligten Akteure vor Ort zu einer Feldbegehung. Nach zwei schwierigen Anfangsjahren stellen sich diesen Sommer deutliche Erfolge ein. Zwischen den hochgewachsenen Roggenähren wächst etwa die Bittere Schleifenblume, der Großblütige Breitsame, die Kornrade, die Behaarte Platterbse sowie weitere "Ackerunkräuter". Viele der seltenen Pflanzen sind recht unscheinbar und nicht einfach zu entdecken. Daher werden demnächst Hinweistafeln den Besuchern die Raritäten dieser Pflanzenarche erklären.

Weitere Infos:
www.nidderau.de/index.php?action=natur&id=0
www.hessenpark.de

Neues von der NBL Regionalguppe Hochtaunus -Warten auf Frühjahrs-Erwachen - bunte Mahdwiese nach Sonnenblume (März 2016)

Viele Blüten und zahlreiche Insektenbesuche hat unser Sonnenblumenfeld im vergangenen Sommer gebracht. Auf 1600 Quadratmetern konnten wir im letzten Frühherbst auch noch mehrere Kilo Saatgut ernten, das wir zum Teil verschenkt haben, zum Teil im kommenden Mai selbst wieder aussähen wollen.

Abräumen der verblühten Sonnenblumen  Foto: A. Kramer
Nachdem kleine Trupps fleißiger Blau- und Kohlmeisen die letzten Körner innerhalb weniger Tage aufgepickt hatten, haben wir im September die Pflanzenstängel manuell von der Fläche geräumt und den Boden zur Vorbereitung einer Herbstaussaat gefräst.

Wir möchten auf dieser Fläche dauerhaft eine arten- und blütenreiche Heuwiese etablieren. Dafür haben wir uns für die Mischung "Fettwiese" der Firma Rieger-Hofmann entschieden. Vermischt mit Sojaschrot ließen sich die unterschiedlich großen Samenkörner gut mit der Hand verteilen. Ein beigemischter "Schnellbegrüner" soll Feuchtigkeit im Boden halten und das Auflaufen unerwünschter Beikräuter im Zaum halten.

Anwalzen der Wiesensaat mit angekipptem, hochgestelltem Mulcher Foto: A. Kramer
Das stets empfohlene "Anwalzen" für einen guten Bodenschluss ließ sich mit einem Mulcher ganz gut machen. Glücklicherweise regnete es dann eine Woche darauf auch noch ergiebig. Es konnte also eigentlich nichts mehr schiefgehen...(dachten wir..). Doch Mitte Dezember entdeckte ein Wildschwein den lockeren Boden für sich und wühlte ordentlich nach Regenwürmern und anderen Leckereien. Die noch zarten Pflänzchen wurden dabei teilweise untergegraben. Größeren Schaden konnten wir dann aber doch verhindern. Mit Hilfe des Jagdpächters ließ sich das Tier mit Vergrämungsmittel (übelriechender Duftstoff) und Windspielen verscheuchen.

Zwei Wochen nach der Aussaat - der Schnellbegrüner macht seinem Namen alle Ehre  Foto: A.Kramer

Jetzt heißt es Hoffen und Warten, dass der Frühling endlich Einzug hält!

Wer sich der Gruppe anschließen möchte oder Fragen dazu hat, kann sich bei Andreas Kramer, Mail: melden.


Mellifera e.V.