Ablenktracht für Honigbienen fördert auch Wildbienen 

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Die Sonnenblume soll schlecht sein? 

Die Bedeutung von heimischen Wildpflanzen für Wildbienen 

Die Kritik an diesen Pflanzen ist gut gemeint – wollen wir alle doch hauptsächlich unsere heimischen Wildinsekten fördern und die brauchen nun mal ihre angestammten regionalen Wildpflanzen. Insekt und Pflanze haben sich im Laufe der Evolution eng aneinander angepasst und können nicht mehr ohneeinander. 

Deshalb arbeiten wir beim Netzwerk Blühende Landschaft auch so gerne mit Saatgut von gebietsheimischen Wildpflanzen. Um so mehr Arten auf einer Fläche blühen, umso besser. Umso mehr verschiedene Saatgutmischungen in einer Landschaft blühen, umso besser. 

Die Honigbiene ist auch ein heimisches Insekt! 

Aber wir dürfen die Westliche Honigbiene (Apis mellifera L. 1758) nicht vergessen! Denn auch sie ist eine heimische Bienenart. Auch sie gehört in diese Landschaft. Auch sie ist spezialisiert. Anders als die Wildbienen ist sie aber nicht auf eine Pflanzengruppe spezialisiert, sondern auf eine Nutzungsweise. Das komplexe Lernverhalten und die Kommunikation im Bienenvolk ermöglicht es der Honigbiene nämlich, insbesondere Massenvorkommen von Nektarquellen (und auch Honigtau) möglichst schnell und effizient zu nutzen. In der Imkersprache heißt das „Massentracht“. Die Honigbiene ist also auf die Nutzung von Massentrachten spezialisiert. Das ist übrigens das große Alleinstellungsmerkmal, das die Honigbiene im Namen trägt: „mellifera“ heißt „die Honig Tragende“. Sie kann nämlich etwas, was die Wildbienen nicht können: sie kann die gewaltigen Nahrungsüberschüsse aus den Massentrachten in Form von Honig für die kontinuierliche Futterversorgung des Volkes bevorraten. 

Die ausgeräumte Landschaft – Notstand verwalten 

Was hat das jetzt mit Sonnenblumen und den Wildbienen zu tun? Stell’ Dir eine Landschaft vor, in der Wiesen und Äcker nur noch grün sind und keine Blüten hervorbringen. Gras, Mais, Weizen. In so einer Landschaft suchen auch die Honigbienen verzweifelt nach jeder kleinen Wildblüte am Wegesrand, um ihr Volk zu ernähren. Und hier entsteht die Konkurrenz Honigbienen vs. Wildbiene, denn in so einem Szenario nutzen Honigbienen die ganzen Wildpflanzen, auf die die Wildbienen eben spezialisiert sind (Imkersprache: „Läppertracht“). In einer ausgeräumten Landschaft, in der es nicht mal mehr blühende Wegränder, Gräben, Waldränder usw. gibt ist diese Konkurrenz noch verschärft.  

Was heißt „Ablenktracht“? 

Säen Landwirt:innen jetzt aber Sonnenblumenfelder als Ergänzung zum Weizen, die durchwachsene Silphie als Ersatz für den Biomasse-Mais oder sonstige blühende Pflanzen für Gründüngung, Zwischenfrucht, Winterbedeckung o.ä., dann machen die Honigbienen wieder das, was sie am besten können – sie nutzen diese Massentracht. Damit werden sie von den vielfältigen Wildpfanzen abgelenkt. Wir nennen das beim NBL deshalb „Ablenktracht“. 

Gemeinsam für eine blühende Landschaft für Biene, Hummel & Co.! 

Lasst uns an allen Stellrädern gleichzeitig drehen! Wildpflanzen UND durchwachsene Silphies ersetzen teile des Maisanbaus, Sonnenblumen erzeugen Ölsaat in einer vielgliedrigen Fruchtfolge, die „Blühende Landschaft“ lässt Ackerbrachen bis zu fünf Jahre erblühen und der Artenreichtum bunter Blumenwiesen schafft Lebensräume neben intensiveren Formen der Grasnutzung. Und überall dazwischen blühende Säume, Wegränder, Parkplätze, Parks etc. 

Es gibt in der Landschaft viel zu viel zu tun, als dass man sich mit kleinkarierten Diskussionen um die gedachte „Zuteilung“ von Blühflächen zu Insektengruppen profilieren könnte. Packen wir lieber an und lassen wir die ganze Landschaft aufblühen – für Honigbiene, Wildbienen, Mensch und Natur.

 

Hier könnt ihr unsere Arbeit für eine blühende Landschaft unterstützen.

Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/ablenktracht-fuer-honigbienen-foerdert-auch-wildbienen