Interview mit BBR-Flächenpartner Gerd Balser aus Weilburg

BienenBlütenReich: Hallo Herr Balser, freut mich, dass Sie sich bereit erklärt haben, mit uns ein Interview zu führen. Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Erzählen Sie doch einmal ein wenig über sich: Was machen Sie beruflich? Wie sind Sie auf uns und eine Flächenpartnerschaft bei uns aufmerksam geworden?
Dr. Gerd Balser: Ich bin mittlerweile pensionierter Facharzt für Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie und habe nun viel Zeit, mich um meine Bienenvölker zu kümmern. Auf euch bin ich aufmerksam geworden, weil ich mich als Hobbyimker sehr viel mit den Themen Bestäubung und Artenvielfalt beschäftigt habe. Imkerkollegen haben mir berichtet, dass sie schon über mehrere Jahre Blühflächen angelegt und gepflegt haben. Für einige meiner Imkerkollegen ist es selbstverständlich „ganzheitlich“ in der Natur, unserer Umwelt, aktiv zu sein. Auch das Anlegen und die Pflege von Streuobstwiesen ist hier eine Selbstverständlichkeit.
Streuobstwiesen als Selbstverständlichkeit
Ich habe eine ca. 4.000 qm große Fläche, auf der bereits ein paar Streuobstbäume für meine Bienen stehen. Die Fläche ist Eigentum meiner Familie und hat einen besonderen Hintergrund insofern, dass mein Vater hier vor mehr als 70 Jahren eine Obstplantage angelegt hatte. Diese Flächen sind dann in den siebziger Jahren nicht mehr genutzt und gerodet worden. Geblieben ist auf dem gleichen Grundstück eine “Reststreuobstwiese“ von 12 alten Bäumen, die zum Teil in keinem guten Zustand mehr sind. Seitdem ich im Ruhestand bin, pflege ich diese Fläche, schneide die Obstbäume und habe hier auch 6 Bienenvölker. Vergangene Woche habe ich hier 5 Obstbäume, Hochstämme und eine Esskastanie gesetzt. Ich denke mir, dass die Bäume, die noch auf dem Stück standen von meinem Vater gesetzt wurden und ich wollte es ihm gleichtun und Obstbäume für die Zukunft, für den Erhalt der Natur, des ländlichen Raums, pflanzen.

BBR: Also haben Sie sich gedacht, dass auf der Streuobstwiese doch noch viel mehr für die Bienen passieren kann als „nur“ die blühenden Bäume?
GB: Genau. Denn je mehr heimische Pflanzenvielfalt, desto mehr Vielfalt bei den Insekten insgesamt. Und dadurch, dass mir die Fläche gehört, machte es für mich Sinn, zu euch Kontakt aufzunehmen.
BBR: Sie haben von uns regional angepasstes Saatgut, nämlich die „Blühende Landschaft Frühjahrsansaat West von Rieger-Hofmann“ erhalten. Wie erfolgte die Vorbereitung der Fläche? Hat die Vorbereitung und Ansaat gut geklappt oder welche Herausforderungen gab es?
GB: Die genannte Fläche habe ich an einen Landwirt verpachtet, der die nötigen Maschinen hat. So konnte er die Fläche gut vorbereiten und auch die Ansaat durchführen. Ich war am Anfang nur bei der Menge der Samen sehr skeptisch und habe mich gewundert, dass relativ wenige Samen eine so große Fläche zum Blühen bringen können.
Mit Begeisterung anstecken
BBR: Und wie fand der Landwirt die Idee der Blühfläche?
GB: Er stimmte sofort zu und er fand die Idee, in diesem Frühjahr gemeinsam das Projekt Blühfläche anzugehen, sehr gut. Dabei habe ich ihm auch vom Netzwerk Blühende Landschaft erzählt. Vor kurzem habe ich erst mit ihm gesprochen, ob er vielleicht noch weitere Flächen hat, die für die Anlage einer weiteren Blühfläche im nächsten Jahr, also in 2026, geeignet wäre. Er war nicht abgeneigt und wollte dies in seiner Familie besprechen. Sein Kommentar: „Dann tun wir auch etwas für die Natur“.

BBR: Wie hat sich die Blühfläche entwickelt? Welche Pflanzen konnten Sie blühen sehen?
GB: Auch jetzt im November blüht es noch schön auf der Blühwiese, Malve, Kornblume, Färberkamille, Calendula und diverse Kleesorten, u.a. Inkarnatklee. Viele Vögel, besonders Finken, Distelfinken besuchen die Blühwiese. Erst letztens habe ich einen ganz Schwarm Distelfinken gesichtet. Auch sehe ich immer wieder Rehe, die sich auf der Blühfläche gerne aufhalten. Die umliegenden Flächen sind abgeerntet. Hier gibt es für die Tiere derzeit nichts zu holen. Von dem Jäger habe ich auch schon Zustimmung für die Blühwiese erfahren. Aus meiner Sicht hat sich die Fläche insgesamt sehr gut entwickelt.
Ich habe auch mit dem Landwirten besprochen, die Fläche erst im neuen Jahr zu mähen, wenn die nächste Insektenpopulation geschlüpft ist. Denn sie benötigen ja die Stengel als Überwinterungsmöglichkeit.
Ein Fest für die Natur

BBR: Wenn Sie auf das erste Jahr der Blühfläche zurückblicken. Was war für Sie damit verbunden ein besonderes Highlight?
GB: Ganz klar das von mir organisierte Blühwiesenfest Ende Juli. Das war eine besonders schöne Aktion. Das werde ich im nächsten Jahr auch wieder machen.
BBR: Davon hatten Sie uns ja auch ein paar Bilder geschickt. Wer kam zu Ihrem Fest?
GB: Viele Freunde und Bekannte aus dem Nachbarort und vom Imkerverein. Und auch die Frau und der Sohn des Landwirts haben teilgenommen. An der Blühwiese sind auch in diesem Jahr viele Spaziergänger vorbei gegangen, die sich erfreut über die Blühwiese geäußert haben. Nächstes Jahr möchte ich auch noch einen Aktivitätstag mit dem Kindergarten organisieren.
BBR: Das klingt alles wirklich toll. Für Ihr Engagement sind wir Ihnen sehr dankbar. Was möchten Sie anderen Menschen an dieser Stelle mit auf den Weg geben?
GB: Jeder kann etwas tun, um sich für die Artenvielfalt einzusetzen. Wenn man z. B. durch seinen Ort spazieren geht, einfach einmal zu schauen, wo es Flächen, z. B. Stilllegungsflächen, gibt, auf denen eine Blühfläche entstehen kann. Dann mit den Landwirten einfach einmal direkt ins Gespräch gehen – auf Augenhöhe!
BBR: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Balser.

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