Wir arbeiten beständig daran, unsere Landschaft wieder zum Blühen zu bringen – von Wiesen über Hecken bis hin zu Streuobstwiesen. Dies gelingt uns recht gut, da wir jedes Jahr genügend Menschen für unsere Vision einer blühenden Landschaft begeistern und informieren können. Trotz dieses erfolgreichen Ansatzes bleibt jedoch das Insektensterben ungebremst. Was können wir also noch tun?
Nahrung und mehr
In unserer Arbeit betonen wir, dass Insekten an einem Mangel an Nahrungsquellen in unserer Kulturlandschaft leiden. Mit dem Einsatz heimischen Saat- und Pflanzguts steuern wir dagegen. Doch Nahrung allein reicht nicht aus, um stabile Populationen zu erhalten. Für das Überleben und die Reproduktion von Insekten sind mehrere Faktoren entscheidend:
- geeignete Lebensräume mit einer vielfältigen Vegetationsstruktur (sowohl vertikal als auch horizontal), die zeitliche Verfügbarkeit von Blütenressourcen, Nistmöglichkeiten sowie das Vorkommen potenzieller Fortpflanzungspartner von großer Bedeutung.
- Ein oft vernachlässigter Aspekt ist die Vegetationsstruktur. Wir Menschen neigen dazu, unsere Flächen sehr ordentlich zu gestalten. Mäharbeiten werden häufig so geplant, dass große Flächen gleichzeitig gemäht werden, um ein ästhetisch einheitliches Erscheinungsbild zu erzielen. Diese Effizienz führt jedoch dazu, dass wichtige Rückzugsräume für Insekten verloren gehen, wie beispielsweise Altgrasstreifen. Diese bieten Insekten Schutz, ermöglichen das Überwintern von Eiern und Larven und sind essenziell für die Entwicklung vieler Arten. Das Fehlen solcher Strukturen trägt zur “Sterilität” der Landschaft bei und macht es Insekten schwer, stabile Populationen an einem Standort auszubilden.
Die Sinusmahd
Grundsätzlich ist es in Naturschutzkreisen Konsens, dass eine mosaikartige Verteilung unterschiedlichster Strukturen die Artenvielfalt fördert. Daher sollten wir im Grünland vermehrt darauf abzielen, mosaikartige Mähmuster zu fördern, Altgrasstreifen stehen zu lassen und eine Vielfalt unterschiedlicher Vegetationshöhen zu schaffen. Dadurch entstehen Mikrohabitate, die für den Erhalt der Insektenvielfalt von unschätzbarem Wert sind.
Eine dieser Methoden ist die so genannte Sinusmahd. Sie arbeitet mit geschwungenen, mäandernden Mählinien, anstatt mit geraden Linien. Mehr dazu.
Diese Methode wurde in den Jahren 2012 und 2013 in Flandern (Belgien) von Jurgen Couckuyt entwickelt und anschließend in den Niederlanden durch die Vlinderstichting (Schmetterlingsstiftung) eingeführt. Zur Förderung der Biodiversität in Grünlandflächen ist es entscheidend, eine größere räumliche und zeitliche Heterogenität zu schaffen. Diese Vielfalt an Strukturen und Zeiträumen begünstigt unterschiedliche Insektenarten sowie andere Lebewesen und trägt so zu einem artenreicheren Ökosystem bei.
Grundprinzip der Sinusmahd
Bei der Sinusmahd wird entgegen der üblichen Praxis keine gerade Linie gemäht, sondern ein geschwungener Mähpfad („Sinuspfad“) angelegt:
- Ein geschwungener Mähpfad, der am gleichen Ort beginnt und endet, wird gemäht. Der Pfad ist etwa 2 Meter breit, entsprechend der Maschinenbreite. Das Mahdgut wird abgeräumt.
- Etwa 4 bis 8 Wochen nach dieser ersten Mahd wird die Innenseite des Sinuspfades gemäht, der Pfad selbst jedoch nicht. Das Mähgut wird abgeräumt.
Unterschiedliche Studien zeigen signifikante Auswirkungen des Sinusmahd im Vergleich zur konventionellen Blockmahd. Die Sinusmahd führte zu einer durchschnittlich 2,9-mal längeren Mählinie im Vergleich zur Blockmahd, während das Verhältnis von gemähten zu ungemähten Flächen konstant bei 2:1 gehalten wurde. Mehr dazu.
Durch die längere Mählinie und unterschiedliche Zeitfenster des Mähens zeigen Ergebnisse, dass in Grünlandflächen mit Sinusmahd die Temperatur während der Wachstumsperiode variabler wird. Es entstehen Bereiche mit niedrigeren und Bereiche mit höheren Temperaturen, was für viele Insekten günstig sein kann, die Wärme für ihre Entwicklung benötigen. Weiter ist die Vermutung, dass sich unter den Bedingungen der Sinusmahd die Überwinterungsmöglichkeiten ebenso verbessern wie das Angebot an Nahrung und Nistplätzen.
Diese Methode wird noch nicht häufig eingesetzt wegen ihrer Komplexität und dem fehlenden Fachwissen in der Landschaftspflege.

Als Projektmanager beim Netzwerk Blühende Landschaft entwickle und leite ich Projekte, die die biologische Vielfalt, die Wasserqualität und das Umweltbewusstsein fördern. Mein Fachwissen liegt im Bereich des Wasserschutzes, der ökologischen Landschaftsgestaltung und der Bereitstellung von artenfördernden Lösungen. Mit über vier Jahren Erfahrung in der Leitung von Teams und der Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern und Interessengruppen verfüge ich über die Kompetenzen, um Projekte effektiv zu managen und Ergebnisse zu liefern.

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Kategorie:Allgemein