NoMowMay vs. Mähen, wenn’s wehtut
Warum beide Ansätze sinnvoll sind – aber nicht dasselbe meinen
Jedes Frühjahr taucht sie wieder auf: die Aktion „No Mow May“ oder “Mähfreier Mai”. Die Idee dahinter ist einfach und sympathisch: Im Mai bleibt der Rasenmäher stehen. Statt kurz geschorener Grünflächen dürfen Gänseblümchen, Löwenzahn und Klee blühen. Für viele Menschen ist das der erste bewusste Kontakt mit dem Thema Artenvielfalt direkt vor der eigenen Haustür – und genau darin liegt die große Stärke der Aktion.
Gleichzeitig sorgt der mähfreie Mai regelmäßig für Verwirrung. Denn wer sich professionell mit artenreichen Blumenwiesen beschäftigt, weiß: Nicht jede Fläche profitiert davon, einfach möglichst lange gar nicht gemäht zu werden. Besonders bei echten Wiesen gelten andere Regeln als beim klassischen Vielschnittrasen.
Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf beide Strategien.
Was No Mow May eigentlich erreichen will:
No Mow May (Mähfreier Mai) entstand ursprünglich für intensiv gepflegte Zierrasen und Vielschnittrasen im urbanen Raum. Also für Flächen, die normalerweise alle paar Tage gemäht werden und dadurch kaum zur Blüte kommen.
Wird hier im Mai ausgesetzt, passiert etwas Erstaunliches:
Plötzlich erscheinen Blüten. Bestäuber finden Nahrung. Menschen nehmen wahr, dass selbst ein „normaler“ Rasen Leben enthält. Aus einer monotonen Grünfläche wird ein kleiner Lebensraum.
Genau deshalb ist NoMowMay eine wichtige und niedrigschwellige Aktion. Sie ermöglicht vielen Menschen einen einfachen Einstieg in das Thema Biodiversität – ohne Spezialwissen, ohne große Investitionen und ohne komplizierte Pflegekonzepte.
Für Vielschnittrasen in Städten ist das oft ein echter Gewinn.
Warum Blumenwiesen anders funktionieren
Bei artenreichen Blumenwiesen gelten jedoch andere ökologische Zusammenhänge.
Eine echte Wiese ist kein ungemähter Rasen. Sie ist ein durch Nutzung entstandener Lebensraum. Viele heimische Wiesenpflanzen sind darauf angewiesen, dass regelmäßig gemäht wird – allerdings zum richtigen Zeitpunkt.
Bleibt eine Wiese dauerhaft stehen, setzen sich mit der Zeit dominante Gräser durch. Die Fläche verfilzt, lichtliebende Kräuter verschwinden, die Artenvielfalt nimmt ab. Das wirkt zunächst „natürlich“, führt langfristig aber oft zu weniger Blüten und weniger Vielfalt.
Deshalb verfolgen wir bei Blumenwiesen einen anderen Ansatz:
Gemäht wird nicht möglichst früh und häufig – sondern gezielt dann, wenn es für die Wiese ökologisch sinnvoll ist.
Mähen, wenn’s wehtut

In der Wiesenpflege gibt es einen Satz, der vieles auf den Punkt bringt:
„Gemäht wird, wenn’s wehtut.“
Gemeint ist der Moment, in dem die Wiese am schönsten aussieht: voller Blüten, voller Leben, voller Margeriten. Genau dann fällt der erste Schnitt.
Das klingt zunächst widersprüchlich. Tatsächlich ist dieser Zeitpunkt aber entscheidend für die langfristige Entwicklung artenreicher Wiesen. Viele typische Wiesenarten profitieren davon, wenn sie zunächst zur Vollblüte kommen und anschließend zurückgeschnitten werden. Der Schnitt schwächt konkurrenzstarke Gräser und schafft wieder Licht und Raum für Kräuter und Wildblumen.
Besonders bewährt hat sich der erste Schnitt zur Vollblüte der Margerite. Sie ist ein guter natürlicher Zeiger dafür, dass viele Wiesenpflanzen ihren optimalen Entwicklungsstand erreicht haben.
Kurz gesagt:
Für die Artenvielfalt auf echten Blumenwiesen ist der richtige Schnittzeitpunkt oft wichtiger als ein möglichst spätes oder vollständiges Nicht-Mähen.
Kein Widerspruch – sondern unterschiedliche Ziele
NoMowMay und die Pflege artenreicher Blumenwiesen stehen also nicht im Widerspruch. Sie richten sich nur an unterschiedliche Flächentypen.
- NoMowMay verbessert intensiv gepflegte Rasenflächen und schafft Aufmerksamkeit für Biodiversität.
- Die fachgerechte Mahd von Blumenwiesen erhält langfristig artenreiche Lebensräume.
Beides kann sinnvoll sein – wenn die Maßnahme zur Fläche passt.
Der wichtigste Grundsatz bleibt: nie alles auf einmal mähen
Egal ob Stadtwiese, Blumenwiese oder extensiver Rasen:
Den größten Effekt für die Biodiversität erzielt eine Staffelmahd.
Dabei werden nie alle Bereiche gleichzeitig gemäht. Ein Teil der Fläche bleibt zunächst stehen und dient weiterhin als Rückzugsraum sowie als Nahrungsquelle für Insekten und andere Tiere. Erst zeitversetzt werden diese Bereiche ebenfalls gemäht.
So bleiben immer Blüten, Deckung und Strukturen erhalten – selbst während der Pflege.
Denn Artenvielfalt entsteht nicht durch „gar nicht mähen“ oder „immer mähen“, sondern durch die richtige Pflege zur richtigen Zeit.

Im Projekt BienenBlütenReich bin ich als Projektmanagerin für die Konzeption, Koordination und Weiterentwicklung des Projekts sowie für die fachliche und organisatorische Führung eines kleinen Projektteams verantwortlich. Mein Herz schlägt für die Wildbienen und die Verbesserung ihrer Nahrungs- und Lebensbedingungen.

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