Sommer für Sommer wiederholt sich ein Bild, das für viele längst zur Normalität geworden ist: wochenlang kein Regen, ausgedörrte Rasenflächen, staubtrockene Beete. Was für uns Menschen vor allem unangenehm ist, wird für Wildbienen schnell zu einer existenziellen Frage. Denn zwischen der Feuchtigkeit im Boden und einem ausreichenden Nektarangebot für Wildbienen liegt eine überraschend direkte Verbindung. Die Sommertrockenheit wirkt sich direkt auf das Nektarangebot aus.
Warum Bodenfeuchte über Nektar entscheidet
Nektar ist im Grunde nichts anderes als ein Zuckerwasser-Transportsystem der Pflanze – und für dieses System braucht es ausreichend Wasser. Pflanzen nehmen über ihre Wurzeln Wasser aus dem Boden auf und leiten es durch das Xylem nach oben. Ein Teil davon fließt in die Photosynthese, ein anderer Teil wird gemeinsam mit den dabei produzierten Zuckern in die Nektardrüsen transportiert.
Fehlt es durch Sommertrockenheit an Bodenfeuchte, schaltet die Pflanze auf eine Art Sparprogramm um. Sie schließt ihre Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen, fährt die Photosynthese herunter. Sie stellt die Nektarproduktion deutlich zurück oder sogar ganz ein. Selbst wenn eine Blüte noch geöffnet ist, kann sie unter Trockenstress kaum noch Nektar liefern – die Blüte ist optisch vorhanden, aber für die Bienen praktisch leer. Fachleute sprechen hier von reduziertem “Nektarfluss”: weniger Menge, oft auch eine veränderte, ungünstigere Zuckerkonzentration.
Die Kettenreaktion: von der Pflanze zur Wildbiene
Diese physiologische Reaktion der Pflanzen zieht mehrere Konsequenzen nach sich. Diese reihen sich wie Dominosteine aneinander:
Kürzere Blühzeiten. Viele Pflanzen verkürzen unter Trockenstress ihre Blühphase, um Energie zu sparen. Manche Arten blühen früher ab, andere bilden von vornherein weniger Blüten aus. Das Nahrungsangebot schrumpft also nicht nur in der Qualität, sondern auch in der zeitlichen Verfügbarkeit.
Geringere Blütendichte. Trockenheit sorgt dafür, dass manche Wildkräuter und Wiesenblumen gar nicht erst zur Blüte kommen oder deutlich kleinere Blüten ausbilden. Weniger Blüten bedeuten weniger Anflugmöglichkeiten pro Flächeneinheit – die Wildbiene muss für dieselbe Menge Nahrung deutlich weiter fliegen.
Höherer Energieaufwand bei geringerem Ertrag. Gerade für Wildbienen, die im Gegensatz zur Honigbiene meist solitär leben und keine große Kolonie im Rücken haben, ist das fatal. Jeder Sammelflug kostet Energie. Wenn eine Blüte kaum noch Nektar liefert, muss die Biene mehr Blüten anfliegen, um die gleiche Menge an Nahrung zusammenzutragen – ein Teufelskreis, der besonders für kleine Arten mit begrenztem Flugradius zum Problem wird.
Folgen für die Brut. Viele Wildbienenarten legen ihre Eier auf einem Nahrungsvorrat aus Pollen und Nektar ab, von dem sich die Larve später ernährt. Ist dieser Vorrat durch Trockenheit knapper oder nährstoffärmer, wirkt sich das direkt auf die Entwicklung und Überlebensrate des Nachwuchses aus – mit Folgen, die sich erst im nächsten Jahr in Form kleinerer Populationen zeigen.
Der entscheidende Unterschied zur Honigbiene. Bei Honigbienenvölkern kann der Imker oder die Imkerin einen Mangel an Nektar relativ unkompliziert ausgleichen, indem er Honig oder Zuckerwasser zufüttert – die Energieversorgung des Volkes bleibt so gesichert. Fehlender Pollen lässt sich dagegen imkerlich nicht ersetzen. Pollen ist die einzige natürliche Eiweiß- und Nährstoffquelle für die Brut; ohne ausreichend Pollen können die Ammenbienen den Nachwuchs nicht mehr versorgen, und das Volk stellt die Brutpflege ein. Wildbienen haben diese Ausweichmöglichkeit gar nicht erst: Es gibt niemanden, der zufüttert. Sie sind bei Nektar wie bei Pollen vollständig und ohne jedes Sicherheitsnetz auf das natürliche Blütenangebot angewiesen.
Besonders kritisch wird es, wenn Trockenphasen genau in die Hauptflugzeit bestimmter Wildbienenarten fallen. Da viele Arten nur wenige Wochen im Jahr aktiv sind und eng an bestimmte Blütenpflanzen gebunden sein können (man spricht von Oligolektie), kann ein einziger trockener Frühsommer für manche Populationen schwerwiegende Auswirkungen haben. Dies ist unabhängig davon, wie das restliche Jahr verläuft.
Was jeder Einzelne im eigenen Garten tun kann
Die gute Nachricht: Man muss nicht auf den nächsten Regen warten, um etwas zu bewirken. Schon kleine Maßnahmen im eigenen Garten oder auf dem Balkon können den Unterschied machen.
- Trockenheitsresistente, nektarreiche Pflanzen wählen. Arten wie Lavendel, Thymian, Salbei, Steinquendel oder Wilde Möhre kommen mit wenig Wasser aus. Sie liefern trotzdem zuverlässig Nektar, wenn andere Pflanzen längst schlappmachen.
- Gezielt und richtig gießen. Lieber seltener, dafür durchdringend am frühen Morgen oder späten Abend gießen. Das Wasser dringt tiefer in den Boden ein und steht den Pflanzenwurzeln länger zur Verfügung, statt an der Oberfläche zu verdunsten.
- Böden mulchen. Eine Mulchschicht aus Rindenmulch, Stroh oder Rasenschnitt hält Feuchtigkeit im Boden und reduziert die Verdunstung spürbar – ein einfacher Handgriff mit großer Wirkung.
- Pflanzenkohle einarbeiten. In den Boden eingebrachte Pflanzenkohle (idealerweise vorher aufgeladen, z. B. mit Kompost) wirkt durch ihre poröse Struktur wie ein Schwamm. Sie speichert Wasser und Nährstoffe und gibt beides nach und nach an die Pflanzenwurzeln ab. So bleibt der Boden auch in Trockenphasen länger feucht, und die Nektarproduktion der Pflanzen wird stabilisiert.
- Blühzeiträume verlängern. Wer verschiedene Arten mit gestaffelten Blühzeiten pflanzt, verlängert den Blütenzeitraum. So blüht auch dann noch etwas, wenn einzelne Pflanzen bereits unter der Trockenheit leiden.
- Wasserstellen anbieten. Eine flache Schale mit Wasser und ein paar Steinen als Landeplatz hilft nicht nur Bienen beim Trinken, sondern auch beim Kühlen ihres Nestes an heißen Tagen.
- Wilde Ecken zulassen. Unbewässerte, wilde Bereiche mit heimischen Wildkräutern sind oft widerstandsfähig gegenüber Trockenheit. Dies ist ein Vorteil gegenüber als dem klassischen Zierrasen und bieten gleichzeitig Nistplätze.
- Auf Pestizide und Mineraldünger verzichten. Gestresste Pflanzen reagieren empfindlicher auf Chemikalien. Ein gesunder, humusreicher Boden speichert von Natur aus mehr Wasser.
Jeder Quadratmeter zählt. Ein bienenfreundlicher Garten ist in Trockenjahren nicht nur schöner anzusehen, sondern wird zu einer kleinen, aber wichtigen Oase inmitten einer zunehmend herausfordernden Umwelt. Wer jetzt handelt, hilft nicht nur den Wildbienen von heute, sondern sichert auch die Bestäubungsleistung für die Gärten von morgen.

Im Projekt BienenBlütenReich bin ich als Projektmanagerin für die Konzeption, Koordination und Weiterentwicklung des Projekts sowie für die fachliche und organisatorische Führung eines kleinen Projektteams verantwortlich. Mein Herz schlägt für die Wildbienen und die Verbesserung ihrer Nahrungs- und Lebensbedingungen.

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