Was macht der Klimawandel mit Hummeln?

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Wenn wir an heißen Sommertagen den Schatten suchen, läuft auch im Hummelnest die “Klimaanlage” auf Hochtouren. Doch irgendwann reichen selbst fleißiges Flügelfächeln und ausgeklügelte Arbeitsteilung zur Kühlung des Hummelnestes nicht mehr aus. Dann brauchen Hummeln vor allem eines: vielfältige, blütenreiche Landschaften und kühle Rückzugsräume.

Klimaanlage im Hummelnest

Was macht der Klimawandel mit Hummeln, kommen langsam aber sicher auch unsere Plüschbrummer ins Schwitzen? Im übertragenen Sinne: ja. Wird es im Nest zu warm, beginnen Arbeiterinnen verstärkt mit den Flügeln zu fächeln – quasi als natürliche Klimaanlage. Das kostet die Hummeln jedoch viel Energie. Bei längeren Hitzeperioden kann die Kühlung daher an ihre Grenzen geraten.

In unterschiedlichen Versuchen zeigten verschiedene Hummelvölker bei länger anhaltenden Außentemperaturen über 30 Grad Celsius u.a. folgende Probleme: Die Nester ließen sich immer schwieriger ausreichend kühlen, es entstand weniger Nachwuchs, Arbeiterinnen verließen häufiger das Nest und es wurden deutlich weniger Sammelflüge beobachtet. Besonders betroffen von diesen Problematiken ist logischerweise die Brut. Die Larven können der Hitze nicht wirklich ausweichen und sind darauf angewiesen, dass das gesamte Volk die Temperatur im Nest stabil hält. Eine feste Temperatur, ab der es “allen Hummeln zu heiß wird”, wurde nicht definiert. Entscheidend ist aber in jedem Falle das Zusammenspiel verschiedener Faktoren über die Zeit, unter anderem das Entwicklungsstadium der Hummeln und ihrer Kolonie, Dauer der Hitze, Nahrungsangebot/-qualität/-verfügbarkeit und Lage des Nestes.

Die Hitze im Nest bleibt dabei nicht das einzige Problem. Der Hitzestress kann auch den “Geruchssinn”, die Orientierung und die Nahrungssuche beeinträchtigen. Manche Hummeln beginnen nach einer Hitzebelastung gar nicht erst mit dem Sammelflug. Gleichzeitig können hitzegestresste Pflanzen weniger Nektar bereitstellen (siehe auch unser Blogbeitrag “Sommertrockenheit und ihr Einfluss auf die Nahrungsversorgung von Wildbienen”). So trifft eine Hitzewelle beide Seiten: Die Hummel findet weniger Nahrung und die Pflanze erhält weniger Blütenbesuche. Ein Hummelvolk kann dadurch deutlich geschwächt werden, ohne dass es sofort zu einem auffälligen Massensterben kommt. Je mehr Hitzewellen binnen einer Saison zusammenkommen, desto problematischer wirkt sich dies auf die Fitness des Hummelvolkes aus.

Ackerhummelnest
Ackerhummeln in ihrem Nest aus Moos gepolstert. Foto: A. Bätz

Wenn Blüte und Bestäuber sich verpassen

Der Klimawandel verändert nicht nur einzelne heiße Sommertage. Er verschiebt nach und nach auch die Abläufe in der Natur. Hohe Temperaturen zu Jahresbeginn können dazu führen, dass Pflanzen früher austreiben und blühen. Sind ihre Bestäuber zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterwegs, verpassen sich Blüte und Blütenbestäuber möglicherweise. Besonders problematisch ist das für seltene Pflanzen sowie Bestäuber, die auf bestimmte Nahrungspflanzen angewiesen sind.

Auch die Lebensräume vieler Hummelarten geraten unter Druck. An ihren warmen, südlichen Verbreitungsgrenzen verlieren sie geeignete Gebiete. Gleichzeitig gelingt es ihnen nicht immer, schnell genug in kühlere Regionen oder höhere Lagen auszuweichen. Selbst heute noch häufige Arten sind deshalb nicht automatisch klimatisch sicher. Neue Rückzugsräume helfen nur, wenn die Hummeln sie erreichen können und dort ausreichend Nahrung und geeignete Lebensräume finden.

Damit wird deutlich: Es geht nicht allein um die Hummel. Pflanzen, Wildbienen, Honigbienen, Schmetterlinge und viele weitere Tiere sind Teil eines eng geknüpften Netzes. Verändert sich eine Art, ihre Blütezeit oder ihr Lebensraum, wirkt sich das auch auf andere aus.

Genau hier liegt die Stärke der Biodiversität, denn viele unterschiedliche Pflanzenarten, Blühzeiten, Bestäuber und Lebensräume schaffen Alternativen. Auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten ist wichtig: Je größer sie ist, desto höher ist die Chance, dass einige Varianten besser mit den veränderten Umweltbedingungen zurechtkommen. Vielfalt ist damit kein schmückendes Extra, sondern ein wichtiger Puffer gegen den Klimawandel.

Heiße Zeiten für Hummeln – jetzt zählt jedes Blütennetz

Die gute Nachricht lautet: Wir können unsere Landschaft aktiv mitgestalten. Hummeln brauchen nicht nur möglichst viele Blüten auf einen Schlag. Sie benötigen über lange Zeit ein vielfältiges und hochwertiges Nahrungsangebot. Gerade kleine und junge Völker profitieren davon, denn ihnen stehen noch weniger Arbeiterinnen für Nahrungssuche und Nestkühlung zur Verfügung. In Versuchen konnten gute Pollenquellen die Folgen von Hitze abmildern – auch wenn sie den Hitzestress nicht vollständig aufheben.

Deshalb zählt jede vielfältig gestaltete Fläche: vom Staudenbeet und der Hecke über den Blühstreifen bis zur Streuobstwiese. Unterschiedliche Pflanzen, Wuchsformen und Blühzeiten bieten Nahrung und Struktur. Schattige Bereiche und kühle Mikrostandorte können Hummeln helfen, sich während heißer Phasen zu erholen. Denn nicht nur die höchste Temperatur entscheidet, sondern auch die Dauer der Hitze, die nächtliche Abkühlung und die Möglichkeit, geschützte Orte zu erreichen.

Bei neuen Blühflächen sollte außerdem möglichst regionales Pflanzmaterial verwendet werden. Regiosaatgut fördert nicht nur die Arten- und Lebensraumvielfalt, sondern erhält auch regional angepasste genetische Varianten. Vorrangig gebietsheimische und – wo passend – trockenheitstolerante Wildpflanzen helfen dabei, langfristig widerstandsfähige Lebensräume aufzubauen.

Besonders wertvoll werden einzelne Flächen, wenn sie miteinander verbunden sind. Ein Netz aus blütenreichen, schattigen und strukturreichen Lebensräumen bietet Hummeln und anderen Bestäubern Nahrung, Nistmöglichkeiten, Rückzugsräume und Wege in geeignetere Gebiete.

Wir können den Wandel gestalten!

Wie können wir also dem Klimawandel begegnen und gestalten, im Sinne der Hummeln?
Indem wir uns für folgendes einsetzen – hands on:

  • regionale Wildpflanzen
  • lange Blühzeiten in allen Beeten
  • diverse Heckenpflanzungen
  • trockentolerante Staudenbeete
  • Streuobstwiesenschutz und -förderung
  • vernetzte (Blüten-)Lebensräume

Jede dieser blühenden Flächen ist mehr als ein schöner Farbtupfer. Sie ist Futterplatz, Kinderstube, Rückzugsraum und Trittsteinbiotop zugleich.
Je vielfältiger unsere Landschaft wird, desto besser können Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Pflanzen dem Klimawandel begegnen – und wir auch.

Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/was-macht-der-klimawandel-mit-hummeln