Lebensraumvernetzung für Insekten

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HiPP setzt sich als Bio-Pionier auch für die vielfältige Förderung der Biodiversität ein und unterstützt seit Jahren die Aktivitäten des Netzwerks Blühende Landschaft. In unserem Projekt „Lebensraumvernetzung für Insekten“ beschreiten wir gemeinsam den Weg der enkeltauglichen Landwirtschaft.

Mit dem Gut Klockenhagen, einem Betrieb aus Hipps Lieferkette, haben wir es geschafft, die landwirtschaftliche Erzeugung mit dem Schutz von Ressourcen und Artenvielfalt auf sehr hohem Niveau miteinander zu vereinen.

Blühende Kräuter im Altgrasstreifen
Blühende Wildpflanzen in einem unserer Altgrasstreifen. Im Vordergrung Rainfarn (Tanacetum vulgare) und Schafgarbe (Achillea millefolium). Foto: Leon Wurtz

Hintergrund

Das Insektensterben in Deutschland konnte mit bisherigen Strategien nicht aufgehalten werden. Viel dramatischer ist, dass nicht nur die Klasse der Insekten von einem großen Sterben betroffen ist. Ebenso nehmen die Artenzahlen vieler Pflanzen, Vögel und anderer wildlebender Tiere stark ab. Aufgrund ihrer hohen Flächenanteile hat die Landwirtschaft für die Bewahrung der Artenvielfalt eine besondere Bedeutung. Dabei wirkt sich besonders die Strukturarmut der Landschaft negativ auf die Biodiversität aus. Die Agrarumweltprogramme der Bundesländer und die sogenannten Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) sollten den Konflikt zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz eigentlich lösen. Hierfür sind viele der geförderten Agrarumweltprogramme jedoch viel zu schwach ausgerichtet. Dazu kommt, dass ein Großteil der Fördergelder an Flächenprämien gekoppelt ist und nicht von besonderen Leistungen für den Umweltschutz abhängt. Deshalb vermag die aktuelle Strategie der EU in der Landwirtschaft kaum zur Bewahrung der biologischen Vielfalt beizutragen.

Der Projektansatz

Mit unserem Projekt “Lebensraumvernetzung für Insekten” zeigen wir, wie dies besser geht. Denn mit dem richtigen Ansatz lassen sich Naturschutz und landwirtschaftliche Produktion sinnvoll miteinander verbinden! Mit unserem Konzept zur Lebensraumvernetzung für Insekten schaffen wir es auf mehreren tausen Hektar, die landwirtschaftliche Produktion leistungsfähig zu erhalten und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern. Dabei steht die Schaffung von Lebensräumen und deren sinnvolle Vernetzung im Zentrum. Längliche Strukturen wie Blühstreifen, Altgrasstreifen, Hecken und andere Maßnahmen spielen hierfür eine besondere Rolle. Jedoch sind für einen flächendeckenden Umweltschutz nicht nur die Ränder der Äcker und der Wiese von Bedeutung. Deshalb haben wir auch auf den landwirtschaftlichen Produktionsflächen Lebensgrundlagen für Insekten geschaffen. Der Ökolandbau bietet hierfür bereits günstige Bedingungen. Jedoch erfüllt die gute fachliche Praxis allein viele Naturschutzziele nicht automatisch. Deshalb braucht es sinnvolle Konzepte zur Lebensraumvernetzung für Insekten mit geeigneten Maßnahmen.

Von Inseln und Insekten

Mehrjährige Blühflächen sind beispielsweise ein guter erster Schritt zur Förderung von wildlebenden Tieren in der Agrarlandschaft. Damit sich die Insektenbestände wieder erholen können, reichen einzelen Blühflächen jedoch nicht aus. Einer der wichtigsten Gründe hierfür liegt in der Flugdistanz vieler Insekten. Honigbienen fliegen etwa bis zu drei Kilometer weit. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße ist das eine relativ große Distanz. Der Bewegungsradius vieler Wildbienen und anderer Insekten ist mit 50 bis hundert Metern deutlich kleiner. Weiterhin haben beispielsweise viele Arten besondere Ansprüche hinsichtlich ihrer Nistweise. Um zu nisten benötigen sie in direkter Nähe zu ihren Nahrungsressourcen Rückzugsorte und Überwinterungsquartiere. Besonders wenn Blühflächen vereinzelt und durch intensiv genutzte Produktionsflächen weit voneinander entfernt liegen, sollten sie möglichst streifenförmig angelegt sein. Darüber hinaus macht es Sinn, diese mit weiteren Maßnahmen zu verbinden. Daher ist die Lebensraumvernetzung in der Agrarlandschaft von besonderer Bedeutung.

Einzelne Blühbrachen umgeben von intensiv genutzten Äckern sind für Insekten wie Inseln im Ozean. Schwer zu erreichen.

Unser Musterbetrieb der Lebensraumvernetzung

Blick auf die Projektfläche in Klockenhagen. Es sind alle Maßnahmen auf der Karte grafisch dargestellt. Sie ziehen sich streifenförmig über die gesamte Agrarlandschaft.
Übersicht über die Flächen des Gut Klockenhagen. Aufteilung der Lebensraumvernetzenden Maßnahmen anhand ihrer ökologischen Wertigkeit in hellgrün und dunkelgrün. Foto: Leon Wurtz

Das Gut Klockenhagen ist ein 2.500 Hektar großer landwirtschaftlicher Betrieb aus der Produktionskette von HiPP in Ribnitz-Damgarten. Derzeit leben dort etwa 2000 Rinder sowie 480 Schweine. Der gesamte Betrieb ist ökologisch bewirtschaftet. Gemeinsam haben wir die Betriebsflächen großräumig mit Maßnahmen zur Lebensraumverntzung überplant. Diese zielen darauf ab, Habitate für bestäubende Insekten und andere Tierarten über große Betriebsflächen sinnvoll miteinander zu verbinden. Um dies zu erreichen, haben wir stehenbleibende Altgrasstreifen, mehrjährige Blühstreifen und blühende Gewässerränder etabliert. Außerdem sind auch Hecken, Kleingewässer, Stein- und Totholzhaufen, sowie Wildbienennisthügel Bestandteil des Konzepts. Zudem praktiziert das Gut Klockenhagen eine besonders breite Fruchtfolge. Die Äcker blühen durch den Anbau von Kulturen wie Soja, Erbsen und Kleegras. Dazu erweitern blühende Zwischenfrüchte und Untersaaten die Fruchtfolge. Im Grünland werden viele Wiesen extensiv gemäht und beweidet. Teilweise kommen hierfür sogar Insektenfreundliche Balkenmäher zum Einsatz. So entsteht über die gesamte Betriebsfläche eine zusammenhängende Lebensraumvernetzung für Insekten.

Eine Rinderherbe weided auf Gut Klockenhagen. Kühe schauen ins Bild
Rinder auf Extensivweide im Gut Klockenhagen. Foto: Leon Wurtz

Unsere Maßnahmen zur Lebensraumvernetztung für Insekten

Das Gut Klockenhagen verfügt über circa an die 10 Millionen Quadratmeter Weiden. Davon werden etwa 700 000 Quadratmeter extensiv beweidet oder gemäht. Extensive Weiden sind für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzenarten sehr wertvolle Lebensräume. An geeigneten Stellen wurden auf Gut Klockenhagen unproduktive Ackerflächen aus der Produktion geommen und mit gebietsheimischen Wildpflanzen zu artenreichen Blumenwiesen umgewandelt. Diese Flächen werden extensiv bewirtschaftet und somit in ihrer ökologischen Wertigkeit erhalten. Dadurch entstanden auf Gut Klockenhagen viele tausend Quadratmeter neuer Lebensraum. Viele dieser extensiven Flächen werden mit schonender Mähbalken-Technik gemäht. Dies schützt Insekten, Amphibien und Niederwild auf besondere Art und Weise. Teilweise bilden sich auf diesen Flächen reich blühende Bestände aus, wie diese Salbei-Glatthafer-Wiese.

Artenreiche Wiesen wie diese Salbei-Glatthafer-Wiese bieten ein vielfältiges Arteninventar. Auf diesem Bild prägen Wiesensalbei (Salvia pratensis) und Acker-Witwenblumen (Knautia arvensis) das Bild.
Artenreiche Wiesen wie diese Salbei-Glatthafer-Wiese bieten ein vielfältiges Arteninventar. Auf diesem Bild prägen Wiesensalbei (Salvia pratensis) und Acker-Witwenblumen (Knautia arvensis) das Bild. Foto: Leon Wurtz

Durch stehenbleibende Altgrasstreifen können extensive Wiesen und Weiden weiter aufgewertet werden. Wildkräuter kommen dadurch zum Blühen und Aussamen und bieten einer Vielzahl an Insekten Nahrungsgrundlage und Deckung. Hierfür werden auf Gut Klockenhagen auf vielen Kilometern jährlich sechs Meter breite Streifen ausgezäunt, sodass die Rinder diese Flächen nicht beweiden können. Im nächsten Jahr werden die Zäune wieder entfernt und der Aufwuchs wird abgefressen. Auf diesen Altgrasstreifen findet keine Einsaat von blühenden Kräutern statt. Dennoch findet sich innerhalb des Altgrasstreifens ein beachtliches Arteninventar mit einer sehr vielfältigen Pflanzengesellschaft ein. Somit haben sich unsere Altgrasstreifen zu wahren Biodiversitäts-Hotspots entwickelt. Neben vielen unterschiedlichen Insektenarten fanden wir beispielsweise eine Kolonie der dunkelfransigen Hosenbiene Dasypoda hirtipes mit mehreren tausend Brutnestern.

Blühende Kräuter im Altgrasstreifen
Blühende Wildpflanzen im Altgrasstreifen. Im Vordergrung Rainfarn (Tanacetum vulgare) und Schafgarbe (Achillea millefolium). Foto: Leon Wurtz
Kolonie der dunkelfransigen Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) im Sandboden.
In den ausgezäunten Altgrasstreifen haben sich in den durch die Kühe verursachten Trittschäden Hosenbienen angesidelt. Diese Kolonie der dunkelfransigen Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) umfasst mehrere tausend Nester. Foto: Matthias Wucherer

Mehrjährige Blühstreifen haben einen sehr hohen Wert zur Steigerung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft. Besonders wenn sie streifenförmig angelegt sind, kommt ihr Potenzial voll zum Tragen. Daher sollten sie in einem guten Konzept zur Lebensraumvernetzung nicht fehlen. Auf Gut Klockenhagen werden aktuell 400 000 Quadratmeter Blühstreifen angelegt. Hiervon sind 200 000 Quadratmeter mehrjährige Streifen mit gebietsheimischen Wildkräutern. Weiterhin werden jährlich 200 000 Quadratmeter einjährig angesät. Sie liegen entlang von Wegen, am Rande von Ackerflächen, Gewässern und entlang von Hecken.

Blühaspekt der Mischung Blühende Landschaft im 2. Jahr. Wilde Möhren, Wucherblumen, Flockenblumenn
Blühaspekt eines mehrjährigen Blühstreifens. Je nach Mischung, Standort und Jahreszeit prägen unterschiedliche Pflanzen den Blühaspekt. In diesem Fall sind Wilde Möhre (Dauca Carota) und Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria) dominant. Foto: Archiv

Entlang von Äckern, Wegen, Grünland und Hecken wurden auf Gut Klockenhagen mehrere tausend Quadratmeter blühende Säume angesät. Dafür haben wir ausschließlich gebietsheimische Wildpflanzen verwendet. Dadurch verhindert man die Verfälschung der natürlichen Flora. Durch eine extensive Bewirtschaftung erhält der Betrieb diese als langjährige Lebensräume. Mehr zur Anlage von blühenden Säumen erfahren Sie hier.

Blühender Saum mit gebietsheimischen Wildkräutern. Im Vordergrund Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) und Wiesensalbei (Salvia pratensis)
Die Mischung “Wärmeliebender Saum” in voller Blüte. Im Vordergrund Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) und Wiesensalbei (Salvia pratensis). Foto: Marius Fink

Das Gut Klockenhagen liegt sehr nahe an der Ostseeküste und umfasst Gebiete mit hoch anstehendem Grundwasser. Deswegen sind viele Weiden mit wasserführenden Gräben, Bächen und Kleingewässern durchzogen. Nachdem im Frühjahr Frösche und Kröten die Jugendentwicklung im Wasser abgeschlossen haben, verlassen sie das Gewässer und jagen in der Umgebung Insekten. Dafür benötigen sie Deckung, aber auch Bewegungsfreiheit. Auch die an Gewässer gebundenen Insekten profitieren von Schutzstreifen. Deshalb werden die Gewässerränder nur noch einmal jährlich gemäht. Dadurch etablieren sich Randstreifen mit blühenden Hochstaudenfluren und reichem Artenspektrum. Insgesamt umfasst diese Maßnahme in Klockenhagen mehrere Kilometer Länge.

Artenreicher Gewässerrand mit echtem Leinkraut (Linaria vulgaris) und im Hintergrund blühendem Wasserdost (Eupatorium cannabinum)
Artenreicher Gewässerrand mit echtem Leinkraut (Linaria vulgaris) und im Hintergrund blühendem Wasserdost (Eupatorium cannabinum). Foto: Leon Wurtz

Aufgrund einer Ausgleichsmaßnahme wurde in einem Feuchtgebiet ein stehendes Kleingewässer angelegt. Im Uferbereich wurde auf mehreren tausend Quadratmetern eine artenreiche Mischung aus Wildpflanzen angesät. Diese feuchten Wiesen werden nur extensiv genutzt. Somit wird diese Wasserstelle als Lebensraum für Pflanzen und Insekten noch wertvoller gemacht.

Ein Kleingewässer mit typischer Ufervegetation
Dieses Kleingwässer ist ein wertvoller Trittstein in unserem Konzept zur Lebensraumvernetzung. Bereits im ersten Jahr fand eine Besiedlung durch unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten statt. Foto: Matthias Wucherer

Überall gibt es Flächen von besonderem Potenzial, welche sich durch passende Maßnahmen zu wahren Biodiversitäts-Hotspots entwickeln. Sie werden somit zu größeren Trittsteinen im Verbundnetz. So wurde z.B. auf Gut Klockenhagen ein Sandberg aus der Beweidung genommen und 10 000 Quadratmeter Ackerfläche in direkter Umgebung als artenreiche Blumenwiese angesät. Der Sandberg hat eine Bruchkante mit vielen offenen Stellen. Dort graben bedrohte Wildbienenarten ihre Nester. Die Tiere können sich an dieser Stelle besonders gut vermehren, weil Nistmöglichkeit und Nahrungsangebot auf engem Raum vorhanden sind.

Dieser Sandberg ist ein wertvoller Trittstein in unserem Konzept zur Lebensraumvernetzung für Insekten. An seiner Abbruchkante errichten viele bedrohte Wildbienen ihre Nester.
Sandberg mit Abbruchkante und wilder Sukzession. In der Abbruchkante graben unterschiedliche Wildbienen ihre Nester. Foto: Matthias Wucherer

Weiterhin umfassen die Projektflächen zur Lebensraumvernetzung für Insekten Haufen mit Totholz und Steinen. Dadurch, dass diese an Altgrasstreifen angrenzen, wird auch hier Rückzugsraum und Nahrungsangebot miteinander kombiniert.

Totholz und Steinhaufen dienen auch Reptilien und Amphibien als Rückzugsraum. Sie bilden in Konzepten zur Lebensraumvernetzung wertvolle Trittsteine.
Totholz und Steinhaufen dienen neben Insekten auch Reptilien und Amphibien als Rückzugsraum. Foto: Matthias Wucherer

Durch die Auswahl eines breiten Spektrums unterschiedlicher Kulturen werden nicht nur Vorteile für den Ackerbau erzielt, sondern auch mehr Nahrungsvielfalt auf dem Feld geschaffen. Auf Gut Klockenhagen wird eine sehr breite Fruchtfolge mit hohen Anteilen an Leguminosen praktiziert. Dadurch reichert sich der Boden nicht nur mit Stickstoff an, sondern es wird auch Blühangebot geschaffen. Besonders Gemenge aus Erbsen und Getreide bieten viele Vorteile. Aktuell werden in Klockenhagen 17 000 Quadratmeter Erbsengemenge angebaut.

Gemengeanbau zwischen Getreide und Leguminosen blüht auf dem Acker
Gemengeanbau mit Leguminosen bietet viele Vorteile: Unter anderem Bodenschutz und wertvolles Blühangebot für Insekten. Foto: Leon Wurtz

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Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/projekte/lebensraumvernetzung-fuer-insekten