Bienen-Highways

Ein Projekt des NBL und des Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Bei gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen zum Schutz der Biodiversität sind auch Akteure außerhalb von Landwirtschaft und Gartenbau gefragt.

Im Projekt „Bienen-Highways“ nutzen das Netzwerk Blühende Landschaft und das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB) die Verkehrsinfrastruktur der Bundesfern- und Staatsstraßen, um eine blühende Insekten-Infrastruktur zu schaffen.

Straßenränder als Lebensräume

Das Netzwerk Blühende Landschaft setzt sich schon seit 2003 dafür ein, dass die Straßenränder als Nahrungsquellen und Lebensräume für Insekten genutzt werden. Hier besteht ein großes Potenzial für Nahrung und Unterschlupf für Wildbienen, Schmetterlinge und viele weitere Blütenbesucher.

Die Nutzung von Straßenrändern für Insektenvielfalt hat aber neben der Schaffung von Lebensraum noch einen weiteren, zentralen Aspekt: entlang der Straßen können sich Insekten auch durch die Landschaft bewegen. Sie bilden also nicht nur ein Infrastrukturnetz für unseren Verkehr, sondern können auch eines für die Insekten werden.

Das ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Die Tiere müssen zur Fortpflanzung Artgenossen finden – und zwar andere als die aus der eigenen Verwandtschaft. Nur eine durchmischte Paarung verhindert Inzucht und genetische Verflachung. Gut durchmischte Populationen erhalten sich eine genetische Anpassungsfähigkeit [Glossar], z.B. an den Klimawandel oder sich verändernde Lebensräume vor Ort.
  • Wenn wir Blühflächen [Link], Blühstreifen [Link] und Wiesen neu als Insektenlebensräume schaffen und pflegen, dann wollen wir auch, dass diese von Insekten besiedelt werden. Sprich: die Blumen auf unseren Flächen müssen für die sehr kleinen Tiere erreichbar sein.
  • Lebensräume ändern sich. Wo gestern eine Wiese war, wächst heute Wald. Wo gestern ein Acker war, ist heute eine Wiese. Die Tiere müssen die Möglichkeit haben, ihren sich verschiebenden Lebensräumen nachzuwandern.

Viele Wildbienen können nur 50 bis 300 Meter fliegen. Sie brauchen daher sehr viel engmaschigere Trittsteine mit Nektartankstellen und Unterschlupf als z. B. die Honigbiene, die 3 km weit fliegen kann.

Rund 130.000 km hat das Straßennetz in Bayern Die begleitenden Grünflächen links und rechts der Fahrbahn, ergeben eine gewaltige Fläche, die weder landwirtschaftlich noch in anderer Weise produktiv genutzt wird. Zudem durchziehen diese Straßen systematisch das ganze Land. Damit sind die Straßenränder also auch geeignet, die Lebensräume von kleinen Tieren miteinander zu vernetzen. Sie können eine parallele Insekten-Infrastruktur für Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele weitere Tiere sein. Bienen-Highways eben.

Projektseite bei StMB

“Mit den Bienen-Highways leisten wir gemeinsam mit dem Netzwerk Blühende Landschaft unseren Beitrag dazu, die Insektenvielfalt und Biodiversität in Bayern zu erhalten.”

Dr. Hans Reichhart, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr

Wie sehen Bienen-Highways aus?

Die Pilot-Bienen-Highways entstanden vor allem entlang von Staats- oder Bundesstraßen. Meist liegen sie an Fahrradwegen. Die Highways sind als Blühstreifen angelegt und mindestens eineinhalb Meter breit. Dafür wurden Flächen zwischen Straße und Radweg genutzt, die mindestens vier Meter breit sind. Die Bienen-Highways haben unterschiedliche Längen, sind aber in der Regel ca. einen Kilometer lang. Darüber hinaus wurden weitere Blühflächen an Nebenanlagen von Autobahnen im Zuständigkeitsbereich des StMB angelegt (z.B. im Bereich von Tank- und Rastanlagen).


Die Zielsetzung der Bienen-Highways ist es, ökologisch hochwertige Bereiche miteinander zu vernetzen und damit eine Insekten-Infrastruktur zu schaffen. Damit finden Bienen, Hummeln & Co. hier nicht nur Nahrung und Lebensraum, sie können sich auch von einem Biotop zum nächsten bewegen.

1. Projektseite beim Ministerium

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat eine eigene Webseite zum Pilotprojekt angelegt.

2. Flyer zum Projekt

Den offiziellen Projekt-Flyer können Sie hier herunterladen:

3. Lebensraumvernetzung in der Landwirtschaft

Auch über die landwirtschaftlichen Produktionsflächen hinweg wollen wir die Lebensräume von Insekten vernetzen. Mehr Infos zu unserem Projekt hier:

Habitatvernetzung im Natura2000-Netzwerk

Bereits im europaweiten Schutzgebiets-Netzwerk „Natura2000“ [Glossar] wird der Gedanke der Habitatvernetzung [Glossar] aufgegriffen. Jeder EU-Staat hat einen Anteil seiner Landesfläche als Natura2000-Gebiete ausgewiesen (Deutschland rund 20%). Diese sind auch so verteilt, dass Tiere sich trittsteinartig von einem zum anderen Schutzgebiet bewegen können. Dem Natura2000 liegen die FFH-[Glossar] und die Vogelschutzrichtlinie [Glossar] zugrunde. Das macht schon deutlich, auf welcher Skala sich die Vernetzung befindet: bedrohte Vögel können relativ leicht große Distanzen von einem zum nächsten Trittstein [Glossar] überwinden, die oft viele Kilometer auseinander liegen. Insekten sind viel kleiner und brauchen ein sehr viel engmaschigeres Netzwerk aus Lebensräumen und deren Verbindungen. Dazu muss die ganze Kulturlandschaft verändert werden. Genau das ist die Mission des Netzwerks Blühende Landschaft!
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