Ein Herz für Tiere – auch ein Herz für Insekten?

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Dem Insektensterben kommt in den letzten Jahren viel mediale Aufmerksamkeit zu. Für die Beobachtung dieses Phänomens sind wir alle jedoch auf die Forschung und Auswertung durch jeweilige Expert*innen angewiesen – einerseits. Andererseits kann aber jede*r Bürger*in einen Teil dazu beitragen, um mehr über die Situation der Insekten zu erforschen.  

“Greifbares” Insektensterben

Um das Phänomen Insektensterben für alle greifbar und erfahrbar zu machen, probieren wir vom NBL im Rahmen des LIFE-Projektes „Insektenfördernde Regionen“ zwei Instrumente zur Beteiligung der lokalen Bevölkerung aus. Beim Citizen Science Monitoring, zu Deutsch Bürgerwissenschaftsbeobachtungen, werden Laien für die Feldbeobachtungen hinzugezogen und alle können mitmachen; die Methoden werden vereinfacht und mittels Anleitungen und Tutorials das Wissen weitergegeben. Bei schwierigen Fällen werden Expert*innen hinzugezogen, die dann Fotos oder Aufnahmen zugespielt bekommen, die im Anschluss ausgewertet werden. In dieser Art gibt es bereits einige Erfassungssysteme, die einen globalen Datensatz an Fotos mit Geodaten füttern, anhand derer die Tiere, Pflanzen oder Pilze von der Netz-Community bestimmt werden.

Die wohl älteste Citizen Science Erfassung in Deutschland ist die Stunde der Gartenvögel , die seit 2005 von Naturschutzbund Deutschland und vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern veranstaltet wird. An drei Tagen im Mai wird jeweils das Vogelvorkommen in einer Stunde festgehalten und gemeldet. Auch um das Monitoring von Insekten gibt es bereits einige Initiativen – ebenfalls seit 2005 existiert das Tagfalter-Monitoring Deutschland, in dem Tagfalter-Enthusiast*innen auf einer von ihnen festgelegten Spazierstrecke die Tagfalter zählen. Um den Fortbestand einer Bürgerwissenschaftler*innen-Initiative in unseren „Insektenfördernden Regionen“ auch nach der LIFE-Projektlaufzeit zu gewährleisten, wollen wir unsere Modellregionen in ein bereits bestehendes System mit guter wissenschaftlicher Aussagekraft und dauerhafter, gesicherter Finanzierung einbetten. Wir erproben daher aktuell einige Monitoring-Schemata, um dann ein für die Anforderungen passendes Schema final auszuwählen.

Zeigt her eure Bienen

Aktuell testen wir im EU-LIFE-Projekt beispielsweise ein an das bundesweite „Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften“ angeschlossenes Teil-Projekt zur Wildbienen-Erfassung mittels standardisierter Nisthilfen. Bei dem so genannten MonVia-Projekt des Thünen-Instituts sind Bürger*innen und insbesondere auch die bewirtschaftenden Landwirt*innen in die Insektenbeobachtungen eingebunden. In diesem Schema werden z.B. die einzelnen Etagen der Nisthilfen monatlich von den Ehrenamtlichen fotografiert. Wir planen noch mindestens ein weiteres Monitoring-Schema im Jahr 2021 auszuprobieren. Vermutlich wird es sich hierbei um ein Schema zur Schmetterlings-Erfassung handeln.

Nach Auswahl eines Monitoring-Instruments planen wir in der zweiten Phase die Etablierung des gewählten Schemas in den sieben Modellregionen ab 2022. Dazu werden ergänzend und unterstützend zu den Feldaufnahmen Informationsangebote, Workshops und Webinare stattfinden, die den Ehrenamtlichen das Monitoring-Schema und die Insektenvielfalt praktisch näherbringen sollen.

Citizen Science als gesunde Ergänzung

Dabei sind Citizen Science-Monitorings nicht in Konkurrenz oder als Ersatz der klassischen Artenmonitorings, die von Experten durchgeführt werden, zu sehen. Sie dienen vielmehr als Ergänzung der Expertenerhebungen. Denn: Experten sind rar gesät und können fast ausschließlich die Artenvielfalts-Hotspots ausreichend betreuen – für Informationen aus der „normalen“ Landschaft sind wir aber alle auf zusätzliche Informationen angewiesen. Hier kommen engagierte Bürgerwissenschaftler*innen ins Spiel. Mit ihrer Hilfe können Entwicklungen, die zumeist später auch die Naturschutzgebiete erreichen, bereits früher entdeckt und gegengesteuert werden.

Und wir hoffen: durch die Laien-Erfassungen und das Engagement für die kleinen Krabbeltiere werden bestimmt die einen oder anderen Insekten-Enthusiast*innen geweckt, die sich dann ihrerseits für eine Förderung der Insektenvielfalt und die Verbesserung der Lebensräume in ihrem Umfeld einsetzen.

Man schützt, was man kennt und schätztund derer Insektenfreund*innen werden wir immer mehr.

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