Durch Verknappung des Nahrungs- und Nistplatzangebotes ist in den letzten 40 Jahren auch die Artenzahl der Wildbienen in erheblichem Maße zurückgegangen. Für einen möglichst flächendeckenden Wildbienenschutz sind daher all jene Maßnahmen von vordringlicher Wichtigkeit, die auf eine Erhaltung nistplatzrelevanter Kleinstrukturen sowie auf eine floristische Wiederbelebung der Gesamtlandschaft abzielen.

Blütenreiche Gärten und Parks

Wenn die passenden Trachtpflanzen da sind, stellen sich meist auch die spezialisierten Blütenbesucher ein. (Foto: Linda Trein)

Gärten, Parks und andere nicht überbaute Grün- und Restflächen können einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Nahrungssituation der Wildbienen leisten. Die Bepflanzung sollte dabei so erfolgen, dass vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein ein kontinuierliches Blütenangebot zur Verfügung steht.

Zu beachten ist ferner, dass auch spezialisierte Bienen ihre ‘Lieblingspflanzen’ in gebührender Anzahl vorfinden. Traditionelle Bauerngärten mit ihrem vielfältigen Blütenangebot kommt dabei geradezu eine Vorbildfunktion zu: Bis zu 128 Blütenpflanzen werden hier von Wildbienen als Pollen- und Nektarspender genutzt, 52 Arten davon stellen wichtige Pollenquellen für die Nahrungsspezialisten unter den Wildbienen dar.

Auch sollte eine breite Palette von Wildpflanzen nicht nur in Naturgärten, sondern auf allen nur möglichen Stellen im Siedlungsraum toleriert werden: Sterile Rasenflächen lassen sich durch Verzicht auf Düngung und häufige Mahd, sowie durch Neueinsaat von Wiesenblumen zu blütenreichen Biotopen renaturieren.

Viele Trockensiedler finden in Steingärten, an Trockenmauern, auf Ter- rassenhängen und Flachdächern ihren adäquaten Lebensraum.

Ödlandbewohnern kann auf einem ‘Schuttpflanzenbeet’, in vergessenen Ecken, auf ‘wüsten’ Plätzen, im Umfeld von Ställen, Scheunen oder Parkplätzen, an Weg- und Straßenrändern, sowie auf verkehrstechnischen Restflächen ein Daseinsrecht eingeräumt werden.

Blütenpflanzen feuchter Standorte gedeihen am Tümpelrand oder auf einem eigens angelegten Sumpfpflanzenbeet. Entlang von Zäunen, Hecken und Buschwerk fühlen sich die Bewohner schattiger und halbschattiger Plätze wohl.

Blütenbiotope im Außenbereich

Viele der rund 400 für heimische Wildbienen bedeutsamen Blütenpflanzen gehören zur Ruderal- und Pioniervegetation im weiteren Sinne, Ackerunkräuter mit eingeschlossen. Eine große Rolle spielen ferner Arten trocken-warmer Standorte, aber auch schattiger, feuchter und nasser Biotope.

Für ein Überleben spezialisierter Bienen ist dabei wichtig, dass innerhalb ihres Aktionsraumes mehrere nah verwandte Pflanzenarten mit langer Blühzeitfolge wachsen, so dass witterungsbedingte Ausfälle durch später blühende Arten kompensiert werden können.

Die so gebotene floristische Vielfalt macht es dringend erforderlich, die Anwendung auch selektiv wirkender Herbizide auf das absolut notwendige Maß zu beschränken und außerhalb von Wirtschaftsflächen ganz zu unterlassen.

Doch sollte auch im Acker- und Weinbau eine gewisse Begleitflora geduldet werden. Bestens bewährt hat sich das schon vielerorts praktizierte “Acker- randstreifen-Programm”.

Im Wirtschaftsgrünland könnten neben anderen Insekten auch Wildbienen von einem “Wiesenblumen-Management” profitieren: In das Intensivgrasland eingebettete Wiesenparzellen werden nicht mehr gedüngt und nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Als besonders wertvoll für Wildbienen hat sich das vielfältige Blütenangebot auf Rest-, Ersatz- oder Sekundärbiotopen erwiesen.

Für Wildbienen bedeutsame Pollen- und Nektarpflanzen

(Fett gedruckt: Pollenspender für spezialisierte Wildbienen)

Eine wichtige, frühe Pollenquelle ist der Huflattich. (Foto: Linda Trein)

Feuchte Standorte (Gräben, Uferbereiche, Feucht- und Nasswiesen, Sumpfgelände):
Sumpfdotterblume, Gemeiner Beinwell, Echtes Barbarakraut, Gemeiner Huflattich, Sumpf-Kratzdistel, Sumpf-Pippau, Großes Flohkraut, Echter Alant, Wiesen-Alant, Wasserdost, Blutweiderich, Gemeiner Gilbweiderich, Pfennig-Gilbweiderich, Kriechender Hahnenfuß, Echter Baldrian, Bittersüßer Nachtschatten, Mädesüß, Aufrechtes Fingerkraut, Sumpf-Hornklee, Hoher Steinklee, Sumpf-Ziest, Rossminze, Drüsiges Springkraut, Teufelsabbiss

Wechseltrockene bis mäßigfeuchte Standorte (extensiv genutzte Wiesen und Weiden):

Gemeiner Löwenzahn, Herbst-Löwenzahn, Rauer Löwenzahn, Wiesen-Pippau, Kleinköpfiger Pippau, Wiesen-Habichtskraut, Gänseblümchen, Margerite, Wiesen-Schafgarbe, Wiesen-Flockenblume, Wiesen- Schaumkraut, Wiesen-Salbei, Gundelrebe, Kriechender Günsel, Gamander-Ehrenpreis, Wiesen-Kerbel, Pastinak, Wiesen-Bärenklau, Scharfer Hahnenfuß, Futter-Esparsette, Hornklee, Weißklee, Roter Wiesen- klee, Luzerne, Wiesen-Platterbse, Wiesen-Glockenblume, Wegericharten, Wiesen-Knautie

Trocken-sonnige Standorte (Trockenrasen, Magerrasen, steinige Hänge, Felsen):

Berg-Steinkraut, Felsen-Steinkraut, Frühlings-Fingerkraut, Hufeisenklee, Wundklee, Sichelklee, Hasenklee, Dorniger Hauhechel, Kriechender Hauhechel, Bunte Kronwicke, Gemeines Ferkelkraut, Kleines Habichtskraut, Doldiges Habichtskraut, Rauer Alant, Färberkamille, Skabiosen-Flockenblume, Rispen-Flockenblume, Pfirsichblättrige Glockenblume, Rundblättrige Glockenblume, Büschel-Glockenblume, Rapunzel-Glockenblume, Berg-Jasione, Sandglöckchen, Wilde Möhre, Großer Ehrenpreis, Garten-Salbei, Heil-Ziest, Thymian, Edel-Gamander, Wilder Majoran, Runder Lauch, Kugel-Lauch, Berg-Lauch, Gelbes Sonnenröschen, Tauben-Skabiose, Weißer Mauerpfeffer, Scharfer Mauerpfeffer, Felsen-Fetthenne, Dach-Hauswurz

Sandig-steinige, eher trockene Standorte (Ödland, Schuttplätze, Wegraine, Bahndämme):


Rote Taubnessel, Hirtentäschel, Pfeilkresse, Graukresse, Raps, Hederich, Weißer Senf, Acker-Senf, Weg- Rauke, Orientalische Rauke, Orientalische Zackenschote, Knolliger Hahnenfuß, Gänse-Fingerkraut, Kriechendes Fingerkraut, Klatschmohn, Rosen-Malve, Weg-Malve, Wilde Malve, Gemeine Ochsenzunge, Natternkopf, Borretsch, Acker-Glockenblume, Acker-Winde, Weißer und Gelber Steinklee, Wilde Resede, Färber-Resede, Mutterkraut, Acker-Hundskamille, Geruchlose Kamille, Einjähriges Berufkraut, Gemeines Greiskraut, Gemeine Kratzdistel, Acker-Kratzdistel, Krause Distel, Nickende Distel, Acker-Gänsedistel, Kugeldistel, Eselsdistel, Rainfarn, Wegwarte, Gemeines Bitterkraut, Kanadische Goldrute, Feld-Mannstreu, Sichelmöhre, Leinkraut, Königskerze, Nachtkerze

Wechseltrockene, halbschattige bis schattige Standorte (Wald-, Gebüsch- und Heckensäume):

Hohler Lerchensporn, Wald-Schlüsselblume, Wiesen-Schlüsselblume, Scharbockskraut, Lungenkraut, Große Sternmiere, Weiße Taubnessel, Gefleckte Taubnessel, Salbeiblättriger Gamander, Aufrechter Ziest, Wirbeldost, Schwarznessel, Frühlings-Platterbse, Wald-Platterbse, Zaunwicke, Vogelwicke, Staudenwicke, Wolliger Hahnenfuß, Weiße und Rotbeerige Zaunrübe, Nesselblättrige Glockenblume, Giersch, Wald- Engelwurz, Hecken-Kälberkropf, Johanniskraut, Jakobs-Greiskraut, Weiden-Alant, Wald-Weidenröschen, Eibisch

Bäume und Sträucher verschiedener Standorte (Wälder, Feldgehölze, Hecken, Parks, Gärten):

Die Süßkirsche ist eine beliebte Pollenquelle. (Foto: Janina D’Alvise)

Apfel, Birne, Süßkirsche, Zwetschge, Aprikose, Pfirsich, Schlehe, Felsenkirsche, Weißdorn, Brombeere, Himbeere, Heckenrose, Stachelbeere, Johannisbeere, Heidelbeere, Preiselbeere, Faulbaum, Roter Hart- riegel, Berberitze, Liguster, Weidenarten, Ahornarten, Stieleiche, Sommer- und Winterlinde

Text: Helmut Hintermeier

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Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/handlungsempfehlung/ein-garten-fuer-wildbienen