Saatgutmischung “Blühende Landschaft” – Ausaatanleitung

Blüten besuchende Insekten benötigen eine sichere Versorgung mit Nektar und Pollen während der gesamten Insektensaison. Darum sind mehrjährige Blühflächen besonders wertvoll für Blüten besuchende Insekten. Gleichzeitig helfen sie auch vielen anderen Wildtieren.

Typische Anwendungsgebiete für die Mischung „Blühende Landschaft“ sind insektenfreundliche Blühstreifen in der Agrarlandschaft, mehrjährige Stilllegungen und Blühflächen im Garten. Im Garten ist aber zu bedenken, dass diese Mischung ab dem zweiten Standjahr einen sehr wilden Charakter hat. Sie eignet sich am besten für größere Flächen, z.B. aufgegebene Gemüsebeete. Für Schmuckbeete und Blumenwiesen gibt es besser geeignetes Saatgut.

Die Anlage mehrjähriger Blühflächen erfordert besondere Sorgfalt, damit dauerhaft bunte Flächen entstehen und die Artenvielfalt nicht mit der Zeit durch konkurrenzstarke Beikräuter dezimiert wird. Je nach können Bedarf diese Flächen nach mehreren Jahren auch wieder anderweitig genutzt werden.

Charakteristik der Mischung

Die Mischung “Blühende Landschaft” besteht zu 60 % aus Kulturpflanzen und zu 40 % Wildarten. Die Zusammensetzung bzw. Präsenz der Arten verändert sich im Lauf der Jahre. Die Kulturpflanzen sind vor allem in den ersten Jahren dominant, später übernehmen die ausdauernden Wildarten die Führung. Die Mischung ist für einen Zeitraum von ca. fünf Jahren konzipiert. Die Tatsächliche Standzeit hängt vom konkreten Standort ab und kann länger sein.

Regiosaatgut sichert Vielfalt

Biodiversität = Artenvielfalt + Lebensraumvielfalt + genetische Vielfalt

Saatgutmischung Blühende Landschaft Herkunftsregionen Netzwerk NBL
Einteilung der Herkunftsgebiete als praktikable Näherung bei der Saatgutmischung “Blühende Landschaft”

Aus Naturschutzsicht sollten bei Wildpflanzen der Herkunftsort des Ausgangssaatguts und der Verwendungsort möglichst ähnlich und benachbart sein. Das Saatgut ist dann „gebietseigen“. Somit wird ein Eintrag gebietsfremder Erbgutvarianten verhindert und schützt den regionalen Erbgutpool. Konventionelles Saatgut wird sehr oft aus Zuchten auf den internationalen Märkten erworben. Die Mischung Blühende Landschaft gibt es in vier Varianten für Süd,- Nord-, West- und Ostdeutschland. Das entspricht noch nicht den 22 Herkunftsregionen, in die Deutschland durch eine wissenschaftliche Studie im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) eingeteilt wurde. Aber es ist, solange der Wildpflanzenmarkt erst im Aufbau ist, ein großer Schritt vorwärts.

Bodenbearbeitung

Der Boden sollte bereits im Herbst vorbereitet werden. Ziel ist ein feinkrümeliges Saatbett zur Aussaat im April oder Mai mit einem geringen Besatz von unerwünschten Pflanzen (Quecken, Disteln, Ampfer etc.).

Kleinflächen werden am besten bereits im Herbst umgegraben oder dick gemulcht. Im Frühjahr werden sie nach dem Abtrocknen (März/April) gefräst oder mit dem Handgrubber oder Rechen durchgearbeitet. Dies geschieht bei Bedarf mehrmals, um unerwünschte Beikräuter zu reduzieren. Quecken- und Giersch-Wurzeln austrocknen lassen oder ablesen.

Größere Flächen werden im Herbst sorgfältig gegrubbert oder gepflügt. Im Frühjahr nach dem Abtrocknen wird bei Bedarf mehrmals im Abstand von ca. 10 Tagen geeggt, um auflaufende Beikräuter zu reduzieren. Mit der Kreiselegge o.ä. wird ein feinkrümeliges Saatbett bereitet.

Ansaatzeitraum, Menge und Vorgehen

Je nach Höhenlage Mitte März – Mitte April bis Ende Juni (bei späterer Aussaat können sich die einjährigen Arten nicht mehr optimal entwickeln, die mehrjährigen Arten kommen aber trotzdem).

Kleinflächen (bis 100m²): 1-2 g/m²                         Großflächen: 1g/m² = 10kg/ha

Aussaat

Kleinflächen: Einfach mit der Hand gleichmäßig aussäen. Zur leichteren Aussaat das Saatgut mit trockenem Sand oder Sägemehl mischen. Das Saatgut nicht einarbeiten! Nur andrücken, antreten oder anwalzen.

Großflächen: Aussaat mit der üblichen landwirtschaftlichen Sähtechnik (Sähmaschine oder Sähkombination). Das feine Saatgut kann mit Getreide- oder Sojaschrot gemischt werden, um die Saatgutmenge besser regulieren zu können.

Das Saatgut soll oberflächlich abgelegt werden, darum Sähschare hochstellen. Saatgut nicht einarbeiten! Wichtig ist ein guter Bodenschluss, am Besten kräftig anwalzen!

Achtung: Schnecken lieben auch Wildblumenkeimlinge!

Geduld…

Die ersten Keimlinge erscheinen bei feuchtem Boden nach zwei bis drei Wochen. Besonders wichtig ist die Feuchtigkeit im Boden, die insbesondere auf kleineren Flächen im Privatbereich durch Gießen gewährleistet werden kann. Die Entwicklung der Wildpflanzen erstreckt sich über eine ganze Vegetationsperiode. Einige Samen sind hartschalig und keimen erst im folgenden Frühjahr.

Pflege

Eine Pflege ist je nach Fläche und Entwicklung der Vegetation individuell durchzuführen, deshalb muss die Vegetation beobachtet werden. Manche Flächen benötigen keine Pflege für mehrere Jahre, andere müssen bereits kurz nach dem Auflaufen der Samen einen Schröpfschnitt erfahren. Oder sie benötigen zumindest teilweise Mahd mit Abräumen, wenn Flächen nach 2 oder 3 Jahren drohen zu vergrasen. Prinzipiell ist es günstig für die Flächenentwicklung möglichst wenig einzugreifen, denn der ökologische Wert der Vegetation wächst kontinuierlich mit den Jahren.

Falls eine ungünstige Entwicklung auftritt, empfiehlt es sich ohne zu zögern konsequent Pflegemaßnahmen durchzuführen (s.u.), diese jedoch flächenmäßig und schonend auf das Mindeste zu beschränken, um dauerhaft Lebensraum und Strukturen zu erhalten. Denn in abgestorbenen markhaltigen Pflanzenstängeln, wie z.B. Sonnenblume, Königskerze, Beifuß, Disteln, Kletten können Wildbienen und verschiedene Wespen ihre Brutzellen anlegen. Andere Insekten können in hohlen Stängeln überwintern und Blühflächen dienen auch anderen Wildtieren als Nahrungs- und Deckungsraum, wie z.B. Vögeln und Niederwild. Von daher ist es sinnvoll über den Winter einen großen Teil der mehrjährigen Blühfläche als Nahrung, Nistplatz und Deckung stehen zu lassen. Wenn abgeschnittene Pflanzenstängel randlich trocken gelagert werden, können die Wildbienen und Insekten im nächsten Jahr trotzdem noch schlüpfen.

Sollten Problem-Beikräuter auftreten, können folgende Maßnahmen durchgeführt werden (am schonendsten lokal per Hand, ansonsten mit Großmaschinen streifenweise bearbeiten):

  • Bei starkem Aufkommen einjähriger Ackerunkräuter zeitnah mulchen oder mähen (Schröpfschnitt, ca. 3 bis 6 Wochen nach Ansaat, solange die einjährigen Kulturarten noch so klein sind, dass sie beim Mähen nicht erfasst werden)
  • Ackerkratzdisteln bei Blühbeginn ausreißen oder mehrmals mähen
  • Stumpfblättrigen Ampfer ausstechen oder mehrmals ausreißen

Falls Sie keinen landwirtschafts- oder naturschutzrechtlichen Auflagen hinsichtlich Greening oder Agrarumweltmaßnahmen unterliegen, kann es sinnvoll sein ab dem 3. Standjahr oder nach Bedarf eine Pflegemaßnahme durchzuführen, um das Blütenangebot vielfältig zu halten. Dazu gibt es zwei Ansätze:

A) Mulchschnitt auf 15 cm Schnitthöhe, dann, “wenn die Blüte am schönsten ist” (je nach Region z.B. Juni – Juli) im Ausnahmefall auf der ganzen oder besser nur einem Teil (ein Drittel bis die Hälfte) der Fläche. Zu dieser Zeit kann das Grüngut noch auf der Fläche verrotten und der Pflanzenaustrieb mit einem zweiten Blütenflor wird gefördert. Achtung: Maßnahme nicht bei starkem Insektenflug zur Tagesmitte durchführen (s. „Landwirte können Bienen retten“)!

B) Schnitt der Fläche auf 15 cm Schnitthöhe mit Abfuhr des Pflanzenmaterials ab August bis Oktober, um einen “Winterfilz” auf der Fläche zu verhindern, der das Kräuterwachstum im nächsten Frühjahr hemmt. Auch hier nur im Ausnahmefall die gesamte Fläche mähen.

Düngung

Eine Düngung sollte in der Zeit dieser Blühfläche unbedingt unterlassen werden. Je magerer der Boden, desto blütenreicher entwickeln sich die Wildblumen. Landwirtschaftliche Flächen, die nach einer Blühbrache wieder in die Produktion genommen werden, können am Ende der Blühbrache natürlich wieder gedüngt werden.

Saatgut “Blühende Landschaft” bestellen

Kleinmengen bis 400 qm erhalten Sie direkt beim Netzwerk Blühende Landschaft im Webshop des Trägervereins Mellifera e.V.. Es stehen Tüten für 10 und 100 qm zur Verfügung. Sie bekommen basierend auf Ihrer Postleitzahl automatisch die geografisch richtige Mischung zugeschickt. Mit einer Bestellung unterstützen Sie auch die gemeinnützige Arbeit des Netzwerks. Bestellen Sie doch gleich ein Feldschild mit und zeigen Sie Nachbarn, dass Sie sich für unsere Insekten engagieren!

Saatgut für Flächen über 400 qm für Äcker in der Landwirtschaft etc. erhalten Sie direkt beim Hersteller Rieger & Hoffmann. Dort können Sie auswählen zwischen einer Variante für die Frühjahrsansaat und einer Variante für die Spätsommeransaat (ohne frostempfindliche Arten).

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Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/handlungsempfehlung/aussaatanleitung-saatgut-bluehende-landschaft