Nahrhafte Balkonbepflanzung für Blüten besuchende Insekten

Blühende bunte Bepflanzungen in Balkonkästen und Kübeln sind nicht nur eine Freude für unser Auge sondern ziehen auch zahlreiche Blütenbesucher wie Honigbienen, Hummeln, Wildbienen, Schwebflieg en und Käfer in ihren Bann. Leider oft umsonst….! Denn viele der klassischen Balkonpflanzen wie z.B. Geranien oder Fleissige Lieschen bieten diesen Insekten wenig oder keinen lebenswichtigen Nektar und Pollen. Doch auch auf dem Balkon gibt es viele Möglichkeiten, das Nahrungsangebot für Blütenbesucher zu verbessern.


Zur Auswahl stehen blühende Pflanzen aus dem klassischen Balkonsortiment. Wertvolle Alternativen dazu finden sich bei den heimischen Wildstauden (siehe „Wildpflanzen für den Balkon“). Auch ein- und mehrjährige Vertreter aus dem Bereich niedrig wachsende und trockenheitsverträglichere Gartenstauden, Kräuter, Kübelpflanzen, Kleingehölze und Zwiebelpflanzen bieten Insekten Nahrung.

Praktische Hinweise

Grundsätzlich können nur ungefüllte bzw. halbgefüllte Arten und Sorten ausreichend Nektar und Pollen spenden. Bei den gefüllten Varianten sind Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt und vermitteln zwar ein überaus prächtiges Blütenbild. Pollen produzieren diese Blüten jedoch kaum mehr. Die verfügbaren Nektar- und Pollenmengen hängen auch von der Pflanzenart und den jeweiligen Standortbedingungen ab. Pflanzen blühen nur dann, wenn ihre jeweiligen Wachstumsbedingungen hinsichtlich Licht, Temperatur, Substrat (Nährstoffe, pH-Wert) und Feuchte erfüllt sind. Auch Wind und Regen (auf die Blüten) werden unterschiedlich gut vertragen. Von daher ist es für ein gutes Gedeihen der Blüher wichtig, bei der Pflanzenauswahl die Standortbedingungen des Balkons zu berücksichtigen (z.B. Überdachung vorhanden oder nicht, Dauer der Sonneneinstrahlung, etc.). Das Material der Pflanzgefäße (Ton, Kunststoff, Metall etc.) ist hingegen weniger entscheidend. Von Bedeutung sind aber ihr Volumen und ein passendes Substrat. Je mehr Erde das Gefäß fasst, desto mehr Platz haben die Wurzeln und desto ausgeglichener ist die Wasser- und Nährstoffversorgung für die Pflanzen. Für die meisten einjährigen Bepflanzungen genügt Balkonblumen- oder Einheitserde. Wer aus ökologischen Gesichtspunkten auf Torfsubstrate verzichten möchte, kann z.B. Gartenerde mit reifem Grünkompost, Rindenkompost und Sand auflockern. (Grundmischung für sonnige Lagen: 40% Grünkompost, 35% Rindenkompost, 20% Sand, 5% Blähton. Grundmischung für halbschattige u. schattige Lagen: 50% Grünkompost, 45% Rindenkompost, 5% Sand) Wichtig ist eine Drainage der Gefäße, um Staunässe zu vermeiden und evt. Untersetzer, um ein schnelles Austrocknen zu verhindern. Höher wachsende Pflanzen ab ca. 50 cm
sind aufgrund der Windanfälligkeit besser in Pflanzkübeln aufgehoben. Bei mehrjährigen Bepflanzungen gilt es darüber hinaus die Frosthärte der Pflanzen und Gefäße zu beachten (Weitere Informationen dazu finden Sie unter „Wildpflanzen für den Balkon“).

Blütenbesuchende Insekten

Ein Blütenangebot mit Nektar- und Pollenspendern auf dem Balkon ist leider noch kein alleiniger Garant für zahlreiche Insektenbesuche. Dieser hängt noch von anderen Faktoren ab: Grundsätzlich können nur die Insekten kommen, die es in der Gegend noch gibt. Die Insekten brauchen auch im näheren Umfeld des Balkons weitere Nahrungs- und Nistmöglichkeiten (Nachbarbalkone, Bepflanzung des umliegenden Siedlungsraumes). Auch ist der Flugradius der meisten Insekten begrenzt. Liegt der Balkon zu hoch und zu windexponiert, schaffen es nur einzelne kräftige „Flieger“ wie die Hummel dorthin.


Außerdem eignet sich nicht jede Blütenform für jedes Insekt gleich gut, Grund ist der unterschiedliche Bau der Mundwerkzeuge von blütenbesuchenden Insekten. Schmetterlinge haben z.B. lange Saugrüssel, Schwebfliegen sind im Vergleich dazu mit sehr kurzen Tupfrüsseln ausgestattet und Käfer haben nur kauende Mundwerkzeuge. Die meisten Blüten sind so gebaut, dass Bienen sie gut besuchen können. Tiefere und größere Blüten werden von Hummeln mit ihren etwas längeren Rüsseln und ihrem größeren Körpergewicht aufgesucht. Bei ganz langen Röhrenblüten, Trichtern und Kelchen kommen nur noch Schmetterlinge zum Zug. Schwebfliegen, Fliegen und verschiedene Blütenkäfer finden auf flachen Schalenblüten Nahrung.

Pflanzenbeispiele

Ein- und zweijährige Beet- und Balkonpflanzen aus dem klassischen Sortiment:

Bei den in der Liste „Der Blühende Balkonkasten“ aufgeführten Pflanzen konnte ein guter bis mittlerer Insektenbeflug beobachtet werden. Die Liste stellt nur eine Auswahl dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielleicht können Sie bei nicht genannten Blühern regen Insektenbesuch beobachten und weitere geeignete Vertreter entdecken. Achten Sie beim Pflanzenkauf auf ungefüllte und niedrigwachsende Sorten!

Gartenpflanzen, die sich auch für Pflanzgefäße eignen

Bei einigen Saat- und Pflanzgutanbietern finden sich niedrigwachsende Arten und kleinwüchsig gezüchtete Gartenblumen. Die Kasten- und Kübeleignung bzw. die Insektenfreundlichkeit sind z.T. in den Katalogen gekennzeichnet. Allerdings liegen momentan nicht für alle dieser kleinwüchsigen ursprünglichen Gartenpflanzen Erfahrungen vor, ob das Nektar- und Pollenangebot trotz niedrigem Wuchs erhalten geblieben ist. Es werden auch für Balkongefäße geeignete Sommerblumenmischungen (Saatgut) für Insekten angeboten, ebenso wie ein- bzw. mehrjährige „Pflanzpakete“ für Balkone. Beispiele sind: Korkadenblume Gaillardia grandiflora, Mädchenauge Coreopsis sp.“Sunfire“, Sonnenbraut Helenium „Dakota Gold“, Sonnenhut Rudbeckia „ Cappucino“, Astern und Buschzinien Zinnia angustifolia

Kräuter

Blühende Küchenkräuter, vor allem aus der Familie der Lippenblütler sind wertvolle Nektarund Pollenspender für viele Insekten: z.B. Thymian, Lavendel, Bergbohnenkraut, Bohnenkraut, Salbei, Oregano, Ysop, Zitronenmelisse, Pfefferminz. Weitere wertvolle Arten sind Schnittlauch, Weinraute oder das einjährige Basilikum. Diese Pflanzen können z.B. gut mit Mauerpfefferarten wie Spanischer Mauerpfeffer, Milder Mauerpfeffer, Tripmadam, und Fetthennenarten zu einer Dauerpflanzung in Kästen arrangiert werden. Viele Kräuter vertragen auch halbschattige Balkonstandorte (Pflegehinweise finden Sie unter „Wildstauden für Insekten“).

Pflanzen für Kübel und Tröge

Pflanzen für Kübel und Tröge Für große Balkone und Möglichkeiten zur frostfreien Überwinterung sind auch manche Kübelpflanzen geeignet, so z.B. Zitrusgewächse, ungefüllte Buschrosen, Hochstammformen von Fuchsien, Wandelröschen, ungefüllten Rosen oder Margeriten. Auch frostempfindliche mehrjährige Kräuter im Kübel wie Rosmarin, Lavendel oder Schopflavendel bieten Insekten Nahrung. In größeren Pflanzcontainern eignen sich auch kleinwüchsige Naturformen bzw. niedrigbleibende Zuchtformen von Gehölzen für eine Dauerpflanzung auf dem Balkon (Beispiele siehe Liste „Der Blühende Balkon“).

Kletterpflanzen

Auch unter den Kletterpflanzen finden sich Nektar und pollenspendende Pflanzen. Kletterpflanzen benötigen große Gefäße, ein stabiles Rankgerüst und meist kräftige Düngergaben. Teilweise brauchen sie einen „kalten Fuß“, d.h. einen Standort der die Aufheizung des Pflanzkübels verhindert. Im Allgemeinen ist die Kultur der Rankpflanzen in Gefäßen schwieriger und kurzlebiger als bei Bodenpflanzung (Beispiele siehe Liste „Der Blühende Balkon“ ).

Zwiebelpflanzen

Frühlingsboten aus Zwiebeln und Knollen wachsen auch in Kästen und Schalen. Allerdings gibt es nur wenige, die eine weitere Blühsaison im Topf überdauern. Grund sind die Wachstumsbedingungen der Frühblüher, die in der Natur meist im Halbschatten oder Schatten auf feuchteren Standorten vorkommen. Balkonverträglichere Zwiebelpflanzen für Insekten sind Traubenhyazinthe Muscari , Berglauch Allium montanta , Kopflauch A. sphaerocephalon , Gelber Lauch A. flavum oder Schnittlauch A. schoenoprasum (sofern sie zur Blüte kommen dürfen!). Andere Frühlingsblüher wie Krokusse Crocus, Schneeglöckchen Galanthus, Narzissen Narcissus spec., botanische Tulpen Tulipa kaufmanniana (u.a.) und Hyazinthen Hyacintus orientalis blühen nur im ersten Jahr üppig, können aber nach der Blüte in eingezogenen Zustand in den Garten verpflanzt werden. Zwiebelgewächse kann man blühend im Frühjahr kaufen oder selbst pflanzen. Die Zwiebeln in Gefäßen sollte man bis spätestens Mitte November möglichst tief (der Art entsprechend) in durchlässige Erde stecken. Für einen üppigen Frühblüherkasten rechnet man mit 50 bis 80 Zwiebeln auf einen Meter. Je größer die Gefäße, desto besser! Große Zwiebeln und spätblühende Arten kommen zu unterst in das Gefäß, frühblühende Arten weiter oben. Über den Winter sollten die Kästen frostgeschützt (mit Kälteschutz versehen an der Hausmauer, Garage) aufgestellt werden. Die Erde darf in dieser Zeit nicht austrocknen. Sobald sich im Frühjahr die ersten Triebspitzen zeigen, können die Gefäße an einen schattigen Platz aufgestellt werden. Traubenhyazinthen und die Lauch-Vertreter vertragen es sonniger.

Auch wenn blühende Balkone stabile Lebensräume für Insekten nicht ersetzen können, bieten sie wertvolle Oasen auf kleinstem Raum. Erwähnt sei noch, dass Insekten nicht nur für ein Futterangebot von März bis Oktober, sondern auch für Nistmöglichkeiten auf dem Balkon in Form von Nisthilfen dankbar sind! (Weitere Informationen finden Sie unter „Nisthilfen für Insekten“ ).

Zusätzliche Informationen finden Sie auch unter „Blühende Landschaft für Honigbienen“, „Blühende Landschaft für Hummeln“, „Blühende Landschaft für Wildbienen“, „Blühende Landschaft für Schmetterlinge“, „Blütenbesuchende Insekten im Garten“, „Der blühende Staudengarten“, „Liste blühender Stauden“.

Informationen zum Insektenbesuch

Wenn Sie weitere Informationen zum Besuch von Insekten und deren Lebensweise wissen wollen, empfehlen wir Ihnen die schönen Bücher von H. Hintermeier, z.B. „Blütenpflanzen und ihre Gäste Teil I & II“ oder „Schmetterlinge im Garten und in der Landschaft“, die Sie auch beim NBL bestellen können (s. Bestellliste im Internet).

Weitere Handlungs­empfehlungen

Ackerwildkräuter erhalten und fördern
Anleitung für die Neuanlage aus Wildsamen-Mischungen
Anspruchsvolle Begrünungen mittels Rechengut
Aussaat der Mischung “Blühende Landschaft”