Nisthilfen für Wildbienen

Wo nisten Wildbienen?

Wie kann ich Wildbienen helfen?

Wildbienen sind für ihr Vorkommen auf das Vorhandensein sogenannter Lebensraumrequisiten angewiesen: Sie benötigen die passenden klimatischen Bedingungen (Wildbienen mögen es warm), passende Trachtpflanzen (es gibt spezialisierte Arten, die die ausschließlich Pollen einer Pflanzengattung oder -familie, bisweilen sogar nur einer einzigen Art sammeln), Baumaterial zum Nestbau (viele Wildbienenarten stellen besondere Ansprüche an das Material, das sie zum Nestbau benötigen) und schließlich geeignete Nistmöglichkeiten.

Bei Nistmöglichkeiten denken die meisten Leute zuerst an sogenannte Bienenhotels, die es in verschiedenen Ausführungen (auch z.T. sehr schlechten und sogar für die Wildbienen schädlichen) im Handel zu kaufen gibt. Vorhandene Hohlräume nutzen allerdings nur 20 % der Wildbienenarten und die meisten „Bewohner“ von Bienenhotels sind ausgesprochen häufige Arten, die nicht unbedingt auf menschliche Hilfe angewiesen sind.

Bodennistenden Arten helfen

Anders sieht es da schon bei den bodennistenden Arten aus: Die Hälfte aller Wildbienenarten (z.B. Sandbienen, Furchenbienen, Schmalbienen, Seidenbienen) nistet im Boden. Dazu benötigen die Wildbienen trockene, vegetationsarme Flächen, gerne sonnig gelegen. Wer solche Stellen im Garten hat, sollte diese nicht auflockern oder harken und am besten – zumindest während der Nistzeit der Wildbienen – auch nicht gießen.

Gerne werden auch Pflasterfugen zum Nisten genutzt. Dafür muss unter dem Pflaster aber Sand liegen. Schotter oder Splitt sind für Wildbienen nicht grabbar.Wer genug Platz im Garten hat, kann auch ein sogenanntes Sandarium anlegen. Eine ausführliche bebilderte Anleitung dafür findet sich auf der Seite von wildbiene.com.

Vegetationsfreie oder schütter bewachsene Stellen sind wichtige Nistplätze für bodennistende Wildbienenarten. (Foto: Linda Trein)
Wie lege ich ein Sandarium an? (externer link zu wildbiene.com)

Oberirdisch nistenden Arten helfen

Nistblöcke

Ein unbehandelter Hartholzblock von ca. 12 – 14 cm Tiefe eignet sich am besten für einen Nistblock. In diesen Block werden ins Längsholz (bitte nicht ins Stirnholz, sonst reißen die Gänge auf, Feuchtigkeit kann eindringen und die Brut verpilzt) Löcher verschiedener Durchmesser gebohrt. Gänge mit einem Durchmesser von 2-10 mm werden besiedelt, Bohrweiten von 3 – 7 mm dabei bevorzugt.

Ganz wichtig ist, dass die Bohrungen nicht ausfransen (ggf. schmirgeln), denn an diesen Holzsplittern können die Flügel der Wildbienen verletzt werden.

Die Gehörnte Mauerbiene Osmia cornuta an einem Nistblock.

Schilf, Bambus oder andere hohle Pflanzenstängel werden gerne von spezialisierten Bienen und Wespen für ihre Brut benutzt. Man kann sie zusammenbinden und einfach schräg aufhängen, damit der Regen abtropft. Wichtig ist, dass die Stängel hinten verschlossen sind. Bei Bambus sorgen z.B. die Knoten dafür. 

Wenn man hohle Stängel nutzen möchte, die hinten offen sind, sollte man diese bündeln und in eine Konservendose stecken. Um sie gegen Herausfallen bei Wind oder Herausziehen durch Vögel zu sichern, müssen sie im Dosenboden mit Gips oder lufttrocknender Modelliermasse gesichert werden.

Bei der Nutzung von hohlen Pflanzenstängeln ist ebenso wie bei den Nistblöcken darauf zu achten, dass am Nesteingang keine scharfen Kanten entstehen, damit die Bienen sich nicht verletzen.

Nisthilfe für oberirdisch nistende Wildbienenarten
Gesägte Bambusrohre in einer Konservendose werden gerne besiedelt. An den unterschiedlichen Nestverschlüssen kann man die Wildbienenarten erkennen. (Foto: Linda Trein)
Bambusröhren mit einem Durchmesser von 2 bis 10 Millimetern werden genutzt. Wichtig ist, dass die Nisthilfe an einem sonnigen, geschützten Platz aufgehängt wird. (Foto: Linda Trein)

Markhaltige Stängel

Wenige Bienenarten nagen sich selbst Gänge in markhaltige Pflanzenstängel. Um diese Arten zu fördern, können markhaltige Stängel einzeln senkrecht aufgestellt werden (z.B. kann man diese einzeln an den Gartenzaun binden). Gebündelt nutzen die Bienen diese Stängel nicht.

Lehmblöcke und Lehmwand

Steilwände oder natürliche Abbruchkanten imitiert man im Garten am besten durch die Anlage einer Lehmwand. Typische Steilwandbewohner finden sich z.B. unter den Pelzbienen, Seidenbienen oder Maskenbienen. 

Für eine Lehmwand braucht es den geeigneten Platz. Ein Regenschutz (z.B. unter einem Dachvorsprung) ist hier unerlässlich. Die Anlage einer Lehmwand ist etwas aufwändiger (wer es dennoch versuchen möchte, dem sei die Anleitung auf wildbiene.com ans Herz gelegt). Einzelne Lehmblöcke herzustellen ist einfacher. Um damit aber auch wirklich Steilwandbewohner anzulocken, muss man mehrere davon herstellen und nebeneinander platzieren. 

Für einen Lehmblock wird ein Kasten oder Holzrahmen mit sandigem Lehm gefüllt und trocknen gelassen. Nach dem Trocknen muss sich der Lehm mit den Fingernägeln abkratzen lassen, sonst ist er zu hart für die Wildbienen. Zum Anlocken der entsprechenden Bienen kann man einige Löcher bohren (8 mm Durchmesser, etwa 2 cm tief). Den Rest graben sich die Bienen dann selbst.

Kleiner Trost, falls sich die gewünschten Wildbienenarten nicht einstellen: andere Arten nutzen die Lehmziegel auch, allerdings nicht um direkt darin zu nisten, aber sie schaben den Lehm ab und nutzen ihn als Nestverschluss.

Wie baue ich eine Lehmwand? (externer link zu wildbiene.com)
Vielleicht wimmelt es ja dann bald auch in Ihrem Garten! (Video: Linda Trein)

Frühling

Ackerwildkräuter erhalten und fördern
Anlage von Hecken und Gehölzen
Anleitung für die Neuanlage aus Wildsamen-Mischungen
Anspruchsvolle Begrünungen mittels Rechengut
Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/handlungsempfehlung/nisthilfen-fuer-wildbienen