Farbenpracht und Formenreichtum der Schmetterlinge, ihr elfenhaftes Wesen und ihre geheimnisvolle Metamorphose haben seit altersher eine große Faszination auf den Menschen ausgeübt. Nunmehr scheint aber auch für diese 150 Millionen Jahre alte Insektengruppe die Schicksalsstunde zu schlagen: Von den bei uns heimischen Tagfalterarten werden heute bereits über die Hälfte und von den Nachtfaltern mehr als ein Drittel in der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands aufgeführt. Die Hauptursache dieses rapiden Falterrückgangs ist wohl in erster Linie in der immer weiter um sich greifenden Umgestaltung und Nivellierung der natürlichen Lebensräume der Schmetterlinge zu sehen. Angesichts des so drastisch reduzierten Blütenhorizontes landwirtschaftlicher Nutzflächen wird heute von Schmetterlingsexperten auch auf die wichtige Rolle der Gärten und Parks als Ersatzlebensräume und Ausgleichsflächen verwiesen.

Gärten als “Tankstellen” für Schmetterlinge

Der Schmetterlingsflieder trägt seine Bedeutung als Nektarquelle für Schmetterlinge schon im Namen. (Foto: Janina D’Alvise)

Als bewusst gestaltete “Blüteninseln” können Gärten ein sehr vielfältiges Angebot an echten “Falterblumen” beherbergen, die sich einerseits durch eine besonders reiche Nektarproduktion auszeichnen und andererseits den Schmetterlingen vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst hinein Nahrung bieten.

Blumensorten mit gefüllten Blüten sind allerdings weniger geeignet, da sich ihre Farbenpracht und die zusätzlichen Blütenblätter meist auf Kosten des Duftes und Nektars entwickelt haben. Nektarreiche, nicht gefüllte Blüten werden daher eindeutig bevorzugt. Sie gehören häufig dem Gestalttyp der Trichter- oder Stieltellerblumen an, auf denen die Schmetterlinge bequem landen oder sitzen können.

Während bei den Tagfalterblumen rote Farben überwiegen, was dem Sehvermögen der Schmetterlinge entspricht, herrschen bei den nachts stark duftenden Schwärmerblumen weiße, gelbe oder blasspurpurne Töne vor.

Die erste, ganz große Nektarquelle des Jahres ist die Obstblüte, die nicht nur von Tagfaltern, sondern auch von zahlreichen Eulen und Spannern umschwärmt wird. Es sind Frühjahrsfalter aus der Wipfelregion der Laubmischwälder, der Waldränder und Hecken. Liegen die Gärten in der Nähe von Parks, Alleen, Friedhöfen, Öd- oder Brachland, kann noch mit folgenden Gästen der Waldrand- oder Wiesenfalterfauna gerechnet werden: Schwalbenschwanz, Senfweißling, Landkärtchen, C-Falter, Mauerfuchs, Perlgrasfalter, Großes Ochsenauge, Brauner Waldvogel, Kleiner Heufalter, Ocker- gelber und Dunkler Dickkopffalter, Komma-Falter, Hauhechel- und Prächtiger Bläuling, Kleiner Feuerfalter, Birken-, Ulmen- und Pflaumenzipfelfalter.

Gärten als “Entwicklungshilfe” für Falterraupen

Viele der im vorangegangenen Abschnitt genannten Nektarspender sind zugleich wichtige Raupenfutterpflanzen. Diese lassen sich in ähnlich systematischer Weise auf eigens angelegten “Unkrautbeeten”, in ungenutzten Ecken und entlegenen Winkeln des Gartens, entlang von Zäunen und Hecken, aber auch durch das Begrünen von Zäunen, Mauern und Gebäuden mit Kletter- und Schlingpflanzen (Geißblatt, Wilder Hopfen, Efeu, Zaunwinde usw.) für die Falterwelt bereitstellen. Eine weitere wichtige Maßnahme stellt das “Ausmagern” oder “Aushagern” von Rasenflächen dar, da nahezu alle für Falter geeigneten Wildblumen nur auf stickstoffarmen Böden gedeihen.

Die zuverlässigste, schnellste aber auch aufwendigste Methode, einen schmetterlingsfeindlichen Einheitsrasen in eine reichhaltige, einschürige Blumenwiese zu verwandeln, besteht darin, die Grasnarbe abzutragen und das verbliebene Erdreich durch Beimischen von Sand weiter auszumagern und aufzulockern. Die anschließende Einsaat kann mit im Handel erhältlichen oder selbst zusammengestellten “Wildblumenmischungen” erfolgen. Die einmalige Mahd solcher Flächenstücke sollte mindestens bis September hinausgeschoben werden, damit die Kräuter und Gräser aussamen können, aber auch an Grashalmen und Stängeln sitzende Puppen nicht zerstört werden.

Nicht selten dient eine Pflanzenart gleich mehreren Schmetterlingsarten als Raupenfutterpflanze. So leben auf den Wegericharten die Raupen von nicht weniger als 48 Falterarten, auf dem Raukenblättrigen Greiskraut 10, auf dem Löwenzahn 41 und auf der Brennnessel 25 Arten, darunter einige unserer bekanntesten Tagfalter. Wie die Nektarspender auf den Blumenrabatten und Wiesenstücken sollten auch die verschiedenen Futterpflanzen in möglichst großer Anzahl vorhanden sein. Von den “Brennnesselfaltern” (z.B. Landkärtchen, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, C-Falter, Admiral, Distelfalter) weiß man zudem, dass Einzelpflanzen von den legebereiten Weibchen nicht angeflogen werden, sie wählen immer größere Bestände an sonnigen (Kleiner Fuchs), mehr beschatteten (Tagpfauenauge) oder ganz unter Büschen (Landkärtchen) gelegenen Plätzen aus, um den Raupen eine ausreichende Ernährung zu sichern.

Blühende Gehölze sind für Schmetterlinge attraktiv. (Foto: Janina D’Alvise)
Der Zitronenfalter ist in blütenreichen Gärten ein häufiger Besucher (Foto: Janina D’Alvise).

Als gut besuchte Nektarspender haben sich vor allem die folgenden, auch preislich weniger aufwendigen Arten bestens bewährt:

Schmetterlingsfreundliche Gartenpflanzen

Eine Liste von gut besuchten Nektarspendern für Schmetterlinge im heimischen Garten.
Deutscher PflanzennameBotanischer Pflanzenname
KrokusCrocus spec.
PrimelnPrimula spec.
BlaukissenAubrieta spec.
SteinkrautAlyssum spec.
GoldlackErysimum cheiri
Silberblatt, GartenmondvioleLunaria annua
Strauch-VeronikaHebe x andersonii
SpornblumeCentranthus ruber
FetthenneSedum spec.
Nelken, ungefülltDianthus spec.
TaglilieHemerocallis spec.
ThymianThymus spec.
KapuzinerkresseTropaeolum majus
Echtes GeißblattLonicera caprifolium
PhloxPhlox spec.
FuchsienFuchsia spec.
PetunienPetunia spec.
ZiertabakNicotiana x sanderae
WunderblumeMirabilis jalapa
EdeldistelEryngium agavifolium
KugeldistelEchinops ritro
TagetesTagetes spec.
LeberbalsamAgeratum houstonianum
PrachtscharteLiatris spicata
HerbstasternAster spec.
Dahlien, ungefülltDahlia spec.
SchmetterlingsfliederBuddleja davidii

Text: Helmut Hintermeier

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Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/handlungsempfehlung/schmetterlingsgarten