Wildpflanzen für den Balkon

Nahrhafte Alternativen für Insekten zum klassischen Balkonblumensortiment finden wir vor allem im Bereich der (in Mitteleuropa heimischen) Wildpflanzen. Zwar können ein-, zwei- und mehrjährige heimische Pflanzen selten mit den üppigen Blüten, den knalligen Farben und Formen und vor allem der langen Blütezeit der Balkonklassiker mithalten. Sie haben dafür andere Vorzüge: Wildstauden müssen nicht jedes Frühjahr neu erworben werden, sondern können mehrere Jahre in ihren Gefäßen bleiben. Eine Dauerbepflanzung kann auch im Winter optisch reizvoll sein. Heimische Arten bieten Insekten nicht nur Futter, sondern auch Nistgelegenheit und Winterquartier. Vor allem stark spezialisierte Insekten (z.B. manche Wildbienenarten) sind auf heimischen Pflanzen angewiesen, nicht heimische Pflanzen sind für sie wertlos.

Praxishinweise für „wilde“ Balkongärten

Bei der Anpflanzung von meist mehrjährigen, winterfesten Wildpflanzen gilt es im Vergleich zur herkömmlichen Balkonbepflanzung einiges zu beachten: Die Pflanzen bleiben auch den Winter über draußen stehen. Deshalb sollten die Gefäße aus Ton, Plastik oder Metall frosthart sein und eine gute Drainage (Abzugsloch, Drainageschicht) aufweisen. Gefrierendes Wasser könnte das Gefäß sprengen. Günstig ist, den Gefäßen über den Winter Holzlatten unterzuschieben. Je größer die Pflanzgefäße, umso besser: mehr Erdvolumen bietet den Wurzeln mehr Platz, kann die Feuchtigkeit besser halten und mehr Nährstoffe speichern. Blumenkastenerde ist aufgrund der hohen Torfanteile ungeeignet. Besser sind eigene Mischungen aus Gartenerde, Grün-, Rindenkompost, Sand oder Lava zu gleichen Teilen oder
eine Grundmischung für sonnige Lagen aus 40% Grünkompost, 35% Rindenkompost, 20% Sand und 5% Blähton.

Pflege

Naturnahe Bepflanzungen sind pflegeleicht. Gelegentliches Jäten übers Jahr und Entfernen verwelkter Blüten, um einen erneuten Blütenansatz zu fördern sowie mäßiges Gießen reicht im Allgemeinen. Manche Pflanzen blühen nach einem Sommerschnitt Mitte bis Ende Juni ein zweites Mal. Über den Winter sollte die Erde von Dauerbepflanzungen nicht austrocken. Im Frühjahr wird das Laub entfernt und dürre Stängel abgeschnitten (Staudenrückschnitt). Zu groß gewordene Stauden kann man teilen oder umtopfen. Zur Düngung ist eine oberflächliche, mäßig Kompostgabe günstig. Verbrauchte Erde sollte erneuert werden.

Pflanzenauswahl und Bepflanzung

Die Pflanzenauswahl richtet sich vor allem nach den Lichtverhältnissen auf dem Balkon. Allerdings wachsen viele sonnenhungrige Wildpflanzen auch auf halbschattigen Balkonen. und Schattenliebhaber kommen bei richtiger Erde und genügend Feuchtigkeit mit mehr Sonne zurecht. Im Allgemeinen kommen wärme- und trockenheitsliebene Pflanzen besser mit den unnatürlichen Wachstumsbedingungen auf den meist südlich ausgerichteten Balkonen zurecht. Wuchsstarke Arten sollten einen eigenen Topf oder ebenfalls konkurrenzstarke Nachbarn erhalten. Hochwachsende Arten sind windanfällig und knicken leichter um. Sie eignen sich daher eher für Kübel und windgeschützte Stellen.

Bepflanzungen mit nur einer Art sind etwas pflegeleichter. Mit verschiedenen Arten wirken die Gefäße zwar abwechslungsreich, aber vielleicht optisch nicht so üppig. Die meisten Wildpflanzen blühen im Früh- bzw. Hochsommer, daher stehen nur wenige Spätblüher für den Balkon zur Auswahl (jedoch lässt sich oftmals mit einem Schnitt während oder kurz nach der ersten Blüte eine spätere, zweite Blüte erreichen; s. Pflege). Aus diesem Grund ist eine Kastenbepflanzung mit einem jahreszeitlichen Blühschwerpunkt (z.B. Frühjahr, Früh- & Hochsommer, Spätblüher) leichter zu realisieren als eine Dauerblüte über die Balkonsaison. Die passende Anzahl einer Art in den Gefäßen, hängt von der Blütenanzahl je Pflanze ab. (Bei Löwenmäulchen sind z.B. 12 Pflanzen zu empfehlen, bei Lavendel reichen 1 – 2 größere Stöcke.)

Charakteristisch für diese Art der Balkonbepflanzung ist die Veränderung! Über die Zeit bleiben manchen Arten aus, andere breiten sich aus. Für Überraschungen ist deshalb gesorgt und Experimentierfreude und Flexibilität des Balkonbesitzers sind gefragt!

Bezugsquellen für heimische Wildpflanzen sind spezialisierte (Versand-)Gärtnereien, die oft Samen- bzw. Pflanzpakete speziell für Balkonkästen und Kübel anbieten. Wir empfehlen unsere Partnerunternehmen, deren Bezugsadressen Sie im Internet unter www.bluehendelandschaft.de, Rubrik „Mitarbeiter & Partner“ einsehen können.

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