ENTWICKLUNG VON BLUMENWIESEN

Blumenwiesen entwickeln sich auf einer Vielzahl von Böden. Sie sehen je nach Standortbedingungen (Boden-, Wasser- und Lichtverhältnisse) unterschiedlich aus.

Zu den wichtigsten Blumenwiesentypen mit ihrer besonderen charakteristischen Vegetation gehören Feuchtwiesen, Fettwiesen und Magerwiesen.

Die höchste Artenvielfalt entsteht auf sonnigen und nährstoffarmen Flächen.

Im städtischen Raum steht die Förderung von Artenvielfalt bei Blumenwiesen gegenüber der Nutzung stark im Vordergrund. Sie zählen zu den vielfältigsten Lebensräumen im Siedlungsgebiet.

Eine Blumenwiese anlegen

Neuanlage oder umbruchlose Ansaat

Bei einer Neuanlage ist eine gute Bodenvorbereitung vor der Ansaat entscheidend. Für eine erfolgreiche Ansaat sollte der Boden deshalb vor einer Neuanlage gepflügt oder gefräst werden. Anschließend ist mit einer Egge oder Kreiselegge eine feinkrümelige Bodenstruktur herzustellen. Nach der letzten Bodenvorbereitung sollte sich die Fläche noch etwa 2-3 Wochen absetzen können. Das Saatbeet muss vor einer Einsaat frei von problematischen Wurzelunkräutern wie Quecke, Distel, Weißklee oder Winde sein. Diese müssen manuell anhand der Egge durch Herausziehen oder durch Abrechen und Ablesen entfernt werden. Werden Wurzelunkräuter im Boden belassen, muss oft noch einmal der ganze Vorgang der Ansaat wiederholt werden. Samenunkräutern wie Melde, Hirtentäschel, Hirse, Kamille, Ackerhellerkraut etc. kann mit der Durchführung einer Schwarzbrache vor der Ansaat begegnet werden. Bei einer Schwarzbrache wird auf der zur Ansaat vorgesehenen Fläche mehrmals eine flache Bodenbearbeitung mit einer Kreiselegge, Egge oder Fräse durchgeführt, um das sich im Boden befindliche Samendepot der unerwünschten Beikräuter (oft Lichtkeimer!) zum Keimen zu bringen und diese dann mechanisch zu zerstören.

Im Grünland kommt in einigen Fällen zur Erhöhung der Artenvielfalt der Fläche eine umbruchlose Ansaat in den Bestand infrage. Dabei wird eine artenreiche Blumenwiesenmischung ggf. mit geringem Anteil an Untergräsern (bis 20%) in das bestehende Grünland eingebracht. Diese Art der Ansaat funktioniert aber nur, wenn es sich um alte, lückige Rasenbestände oder artenarme Wiesen handelt, die durch die Art der Nutzung an Vielfalt verloren haben. Bei Flächen, die insbesondere Rotschwingel (Festuca rubra) enthalten, ist grundsätzlich von einer umbruchlosen Ansaat abzusehen. Zuchtgräser und -leguminosen unterdrücken die Blumenwiesenarten zu sehr. Die bestehende Wiese sollte außerdem auch nur wenige Futtergräser (bspw. Glatthafer, Weidel‐, Liesch‐, Knaul‐ oder Honiggras) enthalten.

Die Ansaat sollte möglichst vor angekündigten Niederschlägen von Februar ‐ Mai oder Ende August – Anfang September erfolgen.

Welches Saatgut für welche Wiese?

Aus Sicht des Naturschutzes sollten der Herkunftsort des Ausgangssaatguts und der Verwendungsort möglichst in enger Nachbarschaft liegen. Dieses Saatgut ist dann „gebietseigen“. So kann sichergestellt werden, dass regionale, genetische Spezialitäten erhalten bleiben. Im Außenbereich (außerorts und nicht in Privatgärten) ist dies seit 2017 sogar durch §40 des Bundesnaturschutzgesetzes vorgeschrieben. Allerdings dürfen – bei mangelnder Verfügbarkeit – bis 2024 die für die Mischung verwendeten Arten auch noch aus benachbarten UGs in Verkehr gebracht werden. Zertifiziertes Saatgut nach VWW-Regiosaaten® oder RegioZert® gibt Orientierung und Sicherheit.

Je nach Standortbedingungen kommen verschiedene Wiesenmischungen für Blumenwiesen zum Einsatz. So gibt es Mischungen für Feuchtwiesen, Frisch- und Fettwiesen oder Magerwiesen.

Pflege von Blumenwiesen

Zum Erhalt ihrer Artenvielfalt ist die Blumenwiese auf angepasste Nutzung mit Mähen und Abräumen des Mahdgutes angewiesen. Wiederholtes Nichtmähen von Blumenwiesen führt zu Artenverlust.

Blumenwiesen werden 1–3-Mal im Jahr gemäht. Die Häufigkeit der Mahd hängt vom Wiesentyp und der Wüchsigkeit ab. Auf mageren Böden an sonnigen Standorten kann ein Schnitt pro Jahr ausreichen, auf nährstoffreichen Böden sind bis zu drei Schnitte nötig.

Wann werden Blumenwiesen gemäht?

Als Faustregel gilt: gemäht wird kurz vor der Samenreife der Gräser. Bei mittleren Wiesen zeigt die Margeritenblüte den idealen Zeitpunkt für den ersten Schnitt an.

Keine Sorge, im Gegensatz zu den Gräsern kommen die Blumen nach dem Schnitt ein zweites Mal zur Blüte!

Nutzen Sie längere Schönwetterperioden, um mindestens drei Tage das Trocknen des Schnittguts und das Herausfallen der Samen auf der Blumenwiese zu gewährleisten («Heuen»). Ganz besonders wichtig sind diese Tage aber auch für Insekten, die zur Zeit der Mahd im Gras saßen. Sie haben nun die Chance zu entkommen. Wenn Sie aus Gründen der Zeitersparnis das Schnittgut direkt auffangen, pressen und abfahren, oder schlimmstenfalls mulchen, dann müssen Sie mit einem Totalausfall der in der Blumenwiese lebenden Tiere und einem Verlust der Samenbestände rechnen. 

Wie mähe ich eine Blumenwiese?

Die massivste Bedrohung für alle in den Wiesen lebenden Tiere sind die Mähgeräte selbst. Durch die zum Grasschnitt eingesetzten schneidenden oder rotierenden Teile werden Tiere verletzt oder getötet. Kleinere Flächen oder Teilflächen werden Fauna schonend mit der Sense gemäht. Bei größeren Flächen können Balkenmäher oder ein Traktor mit Fingerbalken (Doppelmessermähwerk) eingesetzt werden. 

Blumenwiesen im Winter

Ein Altgrasstreifen ist ein Teil der Wiese, der ein Jahr lang nicht gemäht wird. Er bietet einen Rückzugsraum für Tiere.

Der Standort dieses Streifens sollte jährlich wechseln, um ihn blütenreich zu erhalten.

Weitere Informationen zu Blumenwiesen und anderen Grünlandthemen:

Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/handlungsempfehlung/blumenwiesen