Der blühende Staudengarten

Blumenwiesen bestehen größtenteils aus Stauden. Ob Löwenzahn, Hahnenfuß, Wiesensalbei, Flockenblume oder Herbstzeitlose – es handelt sich um Stauden. Je nach Bodenart, Klima und Nutzungsform ergibt sich ein stabiles Gefüge und ein Lebensraum für unzählige Insekten. Blicken wir über den Gartenzaun (in den Garten hinein), so begegnen wir ihnen erneut (hoffentlich). Schnittlauch, Sonnenhut und Herbstastern, sie alle sind mehrjährig und winterhart.

Es ist nun uns überlassen, ob wir eine ebenso stabile Vielfalt im Garten schaffen wollen oder uns mit der Ausrede: „Das macht ja so viel Arbeit“ dem Grünen Einerlei (Rasen) ergeben. Auch im Garten spielt die „Nutzungsform“ eine entscheidende Rolle. Wird nie eingegriffen, so werden Gräser und konkurrenzstarke Arten die Staudenpflanzung überwuchern, und letztendlich werden Bäume wachsen.

Wird im Garten aus ökologischen Gesichtspunkten ein Staudenbeet angelegt, so ist Folgendes zu beachten:

  • Das Wuchsverhalten der Stauden ist sehr unterschiedlich: Ausläufer treibender oder kriechender Wuchs und somit gut Boden deckend, straff aufrechter Wuchs mit wenig Blattmasse (ergibt geringe Lichtkonkurrenz), früh und spät austreibende Stauden mit unterschiedlichen Blühzeiten usw.
  • Jede Staude hat ihren Lieblingsboden und ist mehr oder weniger anpassungsfähig. Gleiches gilt in Bezug auf Schattentoleranz.
  • Die natürliche Lebensdauer einer Staude variiert sehr stark (extrem langlebig sind z. B. Diptam und Pfingstrose; eher kurzlebig sind Feinstrahlaster und verschiedene Nelken)

Viele Gartenstauden sind eigentlich Wildstauden. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie auch heimisch sind. Die hiesigen Blütenbesucher sind in den meisten Fällen aber sehr tolerant und haben mit Ausländerfeindlichkeit nicht viel am Hut. Als Nahrungspflanzen für z.B. Raupen sind jedoch nur einheimische Pflanzen geeignet. Aufpassen sollte man auch bei den Fremdlingen, die einen sehr starken Ausbreitungsdrang haben (z B. wuchernde Goldrute, manche Glattblattastern, Indisches Springkraut).

Wenn also die zu pflanzenden Stauden ausgewählt sind – wahrscheinlich die schwierigste Phase, denn eine ist schöner als die andere – geht es an die Umsetzung:

  • Nicht zu eng pflanzen! Jede Staude muss sich ihrer Wuchsform entsprechend entwickeln können.
  • Keinen Rindenmulch verwenden! Die Gerbstoffe der Rinde wirken wachstumshemmend, Rindenmulch verbraucht bei seiner Umsetzung Stickstoff, es kann zu pH-Wert-Senkung kommen. Besser ist Grünschnitt, Laub, Kompost oder Kies.
  • Ob gemulcht oder nicht, im ersten Jahr sollte man keine Beikräuter dulden, damit sich die Stauden gut entwickeln können. Wem es all zu lückig aussieht, der kann gezielt einjährige Blumen dazwischensäen, aber Vorsicht, dass sie die Stauden nicht bedrängen.
  • Je älter die Staudenpflanzung, desto geringer wird der Pflegeaufwand. Die Stauden sollten mit der Zeit eine geschlossene Pflanzendecke ergeben, die sich zwar verändert, im Großen und Ganzen aber selbst reguliert.

Folgende Eingriffe sind sinnvoll:

  • Rückschnitt nach der Blüte, um ein Versamen zu verhindern bzw. um zu erneuter Blüte anzuregen und die Bestockung zu fördern. (Gilt natürlich nicht automatisch für alle Stauden.)
  • Teilen und verpflanzen von alten, innen verkahlenden Pflanzenhorsten, um die Vitalität zu fördern.
  • Rückschnitt kranker Pflanzenteile, um eine rasche Regeneration zu ermöglichen und eine Übertragung auf Nachbarpflanzen zu vermeiden.  Düngen im Bedarfsfall: Mineralische Dünger sind nicht notwendig. Wenn überhaupt, sollte man gut abgelagerten Kompost verwenden, den man als Mulchschicht um die Pflanzen herum aufträgt. Die Pflanzen dürfen keinesfalls darin vergraben werden – das fördert Fäulnis. Viele Stauden, die natürlicherweise auf nährstoffarmen, oft trockenen Standorten vorkommen, reagieren auf ein Zuviel an Nährstoffen (und/oder organischer Masse) häufig mit übermäßigem Wachstum (neigen dann auch zum Umfallen) und verkürzter Lebensdauer. Deshalb ist es besser, zuerst zu beobachten und erst dann zu düngen.
  • Entfernen unerwünschter Pflanzen, die die Gemeinschaft stören.
  • Auf keinen Fall sollte man im Herbst generell zurückschneiden! Manche Stauden werden dadurch frostempfindlicher. Viele Insekten nutzen trockene Stengel als Überwinterungsmöglichkeit, und Sie bringen auch sich selbst um schöne Herbst- und Winteraspekte, wenn Sie alles dem Erdboden gleichmachen.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Stauden an Ort und Stelle zu säen. Es empfiehlt sich, das Saatgut mit einem Rechen leicht einzuarbeiten und anschließend festzudrücken (z. B. mit einem Brett). Lichtkeimer erst danach ausbringen! Nach dem Auflaufen der Keimlinge muss unbedingt vereinzelt werden, d. h. die zu dicht stehenden Sämlinge entfernen. Auf potenzielle Konkurrenzkräuter ist genau zu achten, da sich diese meist schneller als die gewünschten Stauden entwickeln. Letztendlich werden gesäte Staudenflächen immer ein Zufallsprodukt bleiben.

Warum sollte man nun Stauden im Garten verwenden? Zunächst sicher einmal aus ästhetischen Gründen. Stauden sind wunderbare Zeitgenossen: Ihre Blüten schillern in den klarsten Farben, die Blattstrukturen sind mannigfaltig, Stauden verändern ihr Erscheinungsbild im Jahreslauf und sind doch dauerhafte Begleiter. Eine Staudenpflanzung ist als Dauerkultur zu betrachten. D. h. bei entsprechenden Mulchpraktiken wird der Humusaufbau gefördert und das Bodenleben nicht durch unnötiges Umgraben gestört. Bedingt durch viele verschiedene Pflanzengattungen und arten, die bei einer ausgeglichenen Staudenanlage zum Einsatz kommen sind die Vorteile einer Mischkultur gegeben. Aufgrund der unterschiedlichen Blühzeitpunkte der Pflanzen kann man ein bewusstes ganzjähriges Blühangebot für Insekten schaffen (natürlich nur zur Vegetationszeit). Dabei sollte man unbedingt Frühjahrszwiebelpflanzen miteinbeziehen, sie stellen ein wichtiges Nahrungsangebot dar (z. B. Blaustern, Schachbrettblume).

So kann man in jedem noch so kleinen Garten eine Oase für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und auch für den Menschen schaffen.

(Weitere Informationen finden Sie auch unter „Liste blühender Stauden“, „Blütenbesuchende Insekten im Garten“ u.a.)

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