Hummeln standen lange Zeit etwas im Schatten der stets anerkannten Bestäubungsarbeit der Honigbiene. Sie besitzt jedoch keineswegs eine Art „Bestäubungsmonopol“: Schon Darwin hatte auf die besondere, ja unersetzbare Bestäubungsleistung dieser gemütlichen Brummer im bunten Pelzrock hingewiesen.   

So können die dicht bepelzten Hummeln auch bei niedrigen Temperaturen ausfliegen und Blumen besuchen, wenn alle anderen Insekten vor Kälte starr sind. In Jahren mit ungünstiger Witterung werden 25-50% aller Blüten allein durch Hummeln bestäubt.

Auch wurde beobachtet, dass Hummeln im Vergleich mit Honigbienen in derselben Zeit die drei- bis fünffache Anzahl von Blüten bestäuben und somit eine größere Arbeitsgeschwindigkeit entwickeln.

Hummeln besitzen jedoch nicht die so perfekte Vorratshaltung der Honigbienen, die auch länger anhaltende Trachtlücken problemlos überbrücken können. Hummeln leben vielmehr „von der Hand in den Mund“, da ihre wenigen Honigtöpfe in erster Linie für die Aufzucht der Brut bestimmt sind.

Die Erhaltung und gezielte Anpflanzung ergiebiger Pollen- und Nektarspender wird damit zu einer vordringlichen Aufgabe sowohl im Siedlungs- wie im Außenbereich.

Wie können wir den Hummeln helfen?

Mit attraktiven Gärten und Anlagen:

Für diese Erdhummel-Königin ist der Krokus die erste wichtige Nektarquelle nach dem Winter. (Foto: Linda Trein)

An erster Stelle seien hier die Gärten genannt, deren Blütenangebot für Hummeln gleich in mehrfacher Hinsicht bedeutsam ist: Zum einen liefern sie die für die Gründung und Erstarkung der Hummelvölker so wichtige Frühpollentracht.

Zum anderen lassen sich hier gezielt all jene Hummelblumen anpflanzen, die sich durch ihre Größe, ihren kräftigeren Bau, ihre tieferliegenden Nektardrüsen und ihre günstigen Anflug- und Sitzmöglichkeiten von den eigentlichen Bienenblumen unterscheiden. Dazu gehören viele Lippen-, Rachen- und Schmetterlingsblütler.

Besonders wertvoll sind ferner Blumen, die in den meist etwas feuchteren Gärten auch während der Sommertrockenheit in größerer Anzahl blühen und so ab Juli eine willkommene „Überbrückungstracht“ liefern. Diese kann Hummelarten aus einem Umkreis von 2 km heranlocken. Selbst betonversiegelte Parkplätze oder Schulhöfe lassen sich durch Aufstellen von Pflanztrögen und -kübeln mit geeigneten Pollen- und Nektarspendern hummel- und bienenfreundlicher gestalten.

Beim Versiegen der Nektarquellen in einer blütenarmen Kulturlandschaft stirbt ein starkes Hummelvolk schon nach drei bis fünf Tagen unweigerlich den Hungertod.

Blütenbiotope im Außenbereich

Mit blütenreichen Wiesen- und Restbiotopen

Auch außerhalb der Ortslagen, ja sogar in der mehr oder weniger intensiv genutzten Landschaft selbst lässt sich aktiver Hummelschutz betreiben. Neben Schmetterlingen und anderen Insekten könnten auch Hummelvölker vom Artenreichtum in Extensivgrünland profitieren.

Überaus wertvoll für Hummeln sind ferner all jene sehr blütenreichen Rest-, Ersatz- oder Sekundärbiotope, die noch nicht oder nicht mehr unter dem totalen Nutzungsanspruch des Menschen stehen: Trocken- und Magerrasen, Wald- und Heckenränder, Bahn- und Straßenböschungen, Brach- und Ödländer, stillgelegte Steinbrüche, aufgelassene Kies- und Sandgruben.

In der Landwirtschaft

Auch die meist blütenleeren Reinkulturen der Felder können, wenn auch nur temporär, als Bienen- und Hummelweide dienen. Das Einbringen von Untersaaten (z.B. mit Luzerne, Schwedenklee, Inkarnatklee, Gelbklee, Esparsette) und die Saat von Zwischenfrüchten bei früh abgeernteten Feldern (z.B. mit Raps, Senf, Ölrettich, Ackerbohnen, Wicken, Seradella, Alexandriner- und Perserklee) schaffen ein zusätzliches Angebot an Nektar und Pollen.

Wertvoll wäre es ferner, auf jedem Feld mit Rotklee, Wicken, Seradella, Luzerne, Futtererbsen und Sonnenblumen einen schmalen, ca. 1 m breiten Streifen als Nahrungsquelle für Hummeln und Wildbienen stehen zu lassen. Auch können Rotkleekulturen bei richtig gestaffelter Mahd den Hummeln ein Massen- und Dauertrachtangebot von Ende Mai bis in den Oktober hinein sichern. Geeignete Trachtpflanzen können aber auch auf eigens für den Hummelschutz gepachteten „Wildäckern“ sowie auf Stillegungsflächen ausgesät werden.

Die wichtigsten Hummel-Trachtpflanzen im Überblick

Gärten

Krokus, Scilla, Schwertlilien, Winterling, Akelei, Gartenrittersporn, Blauer Eisenhut, Fuchsie, Schlüsselblume, Gartenbeinwell, Gartenlöwenmaul, Fingerhut, Mohnarten, Großblütige Glockenblume, Ysop, Herzgespann, Echte Katzenminze, Melisse, Pfefferminze, Gartensalbei, Muskatellersalbei, Taubnes- selarten, Schwarznessel, Lavendel, Majoran, Große Balsamine, Kapuzinerkresse, Mondviole, Rhododen- dron, Erika, Lavatere, Stockrose, Eibisch, Cosmea, Prunkwinde, ungefüllte Rosen, ungefüllte Dahlien, Sonnenblume, Purpurdost, Kugeldisteln, Herbstastern, Gilbweiderich, Fetthenne, Scharfer Mauerpfeffer, Edelwicke, Lupine, Bartblume, Zierjohannisbeere, Goldregen, Glycinie, Sommerflieder, Cotoneaster

Feld- und Obstkulturen

Ackerbohnen, Erbsen, Bohnen, Futterwicke, Winterwicke, Luzerne, Futterespar- sette, Rotklee, Senf, Raps, Phacelia, Borretsch, Sonnenblume, Rote und Schwarze Johannisbeere, Sta- chelbeere, Brombeere, Himbeere, Quitte, Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Pflaume, Mirabelle, Pfirsich

Wiesen

Kriechender Günsel, Gundelrebe, Wiesensalbei, Kleine und Große Braunelle, Heilziest, Gemeiner Löwenzahn, Gemeine Flockenblume, Wiesenglockenblume, Wiesenstorchschnabel, Wiesenplatterbse, Rotklee, Weißklee, Wundklee, Hornklee, Vogelwicke, Zaunwicke, Hahnenfußarten, Wiesenknopf, Wiesen- knautie, Taubenskabiose, Herbstzeitlose

Äcker, Kiesflächen, Ödland

Schöllkraut, Erdrauch, Klatschmohn, Ackersenf, Hederich, Fetthenne, Gemeine Ochsenzunge, Natternkopf, Odermennig, Leinkraut, Königskerze, Ackerwachtelweizen, Malven- arten, Distel- und Kratzdistelarten, Weberkarde, Kornblumen, Kleearten, Thymian, Dost, Gemeiner Hohlzahn, Ackerziest, Purpurrote Taubnessel, Steinklee, Esparsette, Echtes Johanniskraut

Feuchtgebiete

Sumpfdotterblume, Trollblume, Kriechender Hahnenfuß, Gelbe Schwertlilie, Gemeiner Beinwell, Mädesüß, Sumpfkratzdistel, Wasserdost, Rauhaariges Weidenröschen, Wasserknöterich, Fluss- ampfer, Sumpfziest, Wasserminze, Rossminze, Blutweiderich, Bunter Hohlzahn, Drüsiges Springkraut

Hecken, Waldränder, Lichtungen

Lungenkraut, Lerchensporn, Bärlauch, Akelei, Gelber Eisenhut, Gemeine Waldrebe, Schwarznessel, Taubnesselarten, Waldziest, Roter und Gelber Fingerhut, Schmalblättriges Weidenröschen, Springkräuter, Rote Heckenkirsche, Schneebeere, Schneeball, Geißblatt, Frühlingsplatterbse, Seidelbast, Robinie, Wildrosen, Himbeere, Brombeere, Schlehe, Traubenkirsche, Wildkirsche, Weißdorn, Holzapfel, Mehlbeere, Vogelbeere, Linden-, Weiden-, Pappel- und Ahornarten, Rosskastanie

Text: Helmut Hintermeier

Frühling

Ackerwildkräuter erhalten und fördern
Anlage von Hecken und Gehölzen
Anleitung für die Neuanlage aus Wildsamen-Mischungen
Anspruchsvolle Begrünungen mittels Rechengut
Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/handlungsempfehlung/ein-garten-fuer-hummeln