Schmetterlinge

Jeder kennt sie – wirklich?

Der gaukelnde Flug eines Schmetterlings über einer sommerlichen Blumenwiese ist schon etwas Besonderes. Das flatternde Auf und Ab, dann wieder ein Stück gleiten und hin und wieder auf einer Blüte niederlassen, die zarten Tiere übertragen spielend ihre Leichtigkeit auf den Betrachter. Angesichts solchen Schauspiels wundert es wenig, dass in ihrem Zusammenhang im alten Griechenland der Name „Psyche“ (dt. Geist/Seele) auftauchte. Dass damals wie heute Menschen das Herz aufgeht und Kinder nicht anders können, als ihnen durch ihr blühendes Reich nachzulaufen.

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

– Hermann Hesse –

Dabei wird dieses Klischeebild den Schmetterlingen nicht gerecht, denn in blühenden Wiesen wird der Spaziergänger nur wenige der in Mitteleuropa über 3700 Arten umfassenden Ordnung antreffen. Kleinwüchsige, Wald bewohnende oder nachtaktive Arten muss man meist eigens gezielt suchen. Dabei gehören die Schmetterlinge zu den individuenreichsten Insekten überhaupt – Insektenkundler gehen davon aus, dass jedes siebtes bis zehntes Insekt ein Schmetterling ist. Vereinfachend ordnet man die Groß-Schmetterlinge zu den Tagfaltern (knapp 190 Arten in Deutschland) und den Nachtfaltern (über 2000 Arten in Deutschland), die Kleinschmetterlinge werden davon abgetrennt und bilden die restlichen Arten. Allen gleich ist der für die Ordnung Lepidoptera (deutsch Schuppenflügler) namensgebende Besatz der Flügel mit Schuppen, die durch Pigmentierung und Oberflächenstrukturen Färbungen und Muster erzeugen. Sie lösen sich aber leicht vom sowieso filigranen Flügel – daher und weil viele Arten unter Naturschutz stehen, sollte man sie nicht fangen!

Schmetterlinge sind doppelt anspruchsvoll

Falter und Raupen brauchen jeweils spezielle Futterpflanzen

Raupen des Kleinen Fuchs auf Brennnesseln. Foto: Holger Loritz
Raupen des Kleinen Fuchs auf Brennnesseln. Foto: Holger Loritz

Eier werden bei vielen Schmetterlingen artspezifisch nur an bestimmte Pflanzen abgelegt an denen die Larven – genannt Raupen – später fressen. Die Standorte der Futterpflanzen decken eine Vielzahl von Lebensräumen ab. Die Eiablage kann übrigens auch artspezifisch an extravaganten Orten wie in Blüten, Ameisenbauten oder Bienenvölkern stattfinden. Die Raupen sind in Aussehen und Verhaltensweisen oft evolutiv auf den Schutz vor Fraßfeinden selektiert worden, so dass Raupen beispielsweise auf ihren jeweiligen Wirtspflanzen schwer zu finden sind. Einige folgen sogar jahreszeitlichen Veränderungen der Pflanze. Sie können wie Vogelkot aussehen, Brennhaare besitzen, sich an Fäden rasch fallen lassen oder abrupt aufrichten um Angreifer zu erschrecken. Nach der letzten Häutung der Raupe wird eine Puppe gebildet. Sie kann an Ästen, in Grashorsten und vielerlei andern Substraten lose liegend, angeheftet oder angeseilt sein. Die schlüpfenden Schmetterlinge (das Imago), deren zunächst unscheinbar kleinen Flügel, die nach dem Schlupf aus der Puppenhülle erst entfaltet und „aufgepumpt“ werden müssen, haben außer einem Kopf mit Fühlern, Brust mit sechs Beinen und den Flügeln sowie einem Hinterleib auch nicht unbedingt sehr viel gemein.

Es gibt Spezialisten in Bezug auf Nektarfutterpflanzen oder solche die fast alle Blüten ansteuern, Arten die über große Strecken wandern, solche die mehrere Monate alt werden und die sogar als Schmetterling überwintern. Es gibt die, die mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen und nur wenige Wochen oder gar nur Tage alt werden und deren Nachkommen als Raupe oder Ei den Winter überdauern. Ja, sogar solche, die so kurz leben, dass sie gar keine Nahrung aufnehmen und auch keinen für viele Schmetterlinge typischen, langen aufgerollten Saugrüssel haben, da sie so kurz als Falter leben.

Die erwachsenen Schmetterlinge brauchen nektarreiche Blüten – die findet jeder schön. Viele Gärtner bekämpfen aber die Fraßpflanzen der Raupen, wie z.B. die Brennnesseln. Geben Sie auch diesen Pflanzen einen Raum, nur dann dürfen Sie auch die Falter in ihrem Heim begrüßen!

Tagfalter und Nachtfalter

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Die Spanische Flagge (Callimorpha quadripunctaria) ist ein tagaktiver Nachtfalter. Foto: Holger Loritz

Die Familien der Schmetterlinge werden vereinfachend auch oft in Tag- und Nachtfalter unterschieden. Die Einteilung bietet sich an, da sie einen auffälligen Unterschied in der Lebensweise beschreibt. Tatsächlich finden sich auch, bedingt durch diese unterschiedlichen Umgebungsbedingungen bei den Tieren, häufig ähnliche Strukturen. Beispielsweise tragen Schmetterlinge auf ihren Fühlern Sinnesorgane zur Wahrnehmung chemischer Substanzen in der Luft, ein Geruchssinn. Die Familien der Tagfalter, hierzu gehören Bläulinge, Dickkopffalter, Edelfalter, Ritterfalter, Weißlinge und Würfelfalter, haben an der Spitze keulenförmig verdickte Fühler, während Nachtfalter gefiederte Fühler haben. Durch die größere Fühler-Oberfläche sind Nachtfalter zur Wahrnehmung von Duftstoffen in wesentlich geringerer Konzentration in der Lage. Dementsprechend selten finden sich bei Nachtfaltern auffällige Flügelfärbungen. Eine wissenschaftliche Grundlage zur Einteilung in Tag- und Nachtfalter gibt es nicht. Es existieren Schmetterlinge, die ihren Fühlerkeulen nach zu urteilen Nachtfalter sind, die aber tagaktiv leben, z.B. die Widderchen. Auch die Familie der Spanner zeigt beispielsweise die wenig wissenschaftliche Einteilung, denn ihre Vertreter leben nachtaktiv, die Familie aber ist mit den Tagfaltern näher verwandt als mit den anderen nachtaktiven Schmetterlingsfamilien.

Lebensräume und Gefährdung

Schmetterlinge haben fast alle Lebensräume der Welt erobert. Es gibt Arten die in Baumkronen-, am Waldrand, in Feuchtwiesen, an Trockenstandorten, im Flachland oder nur ab einer gewisse Mindesthöhe mit speziellem Klima im Bergland vorkommen. Auch leben manche Arten als Raupe in ganz anderen Lebensräumen als später der Schmetterling zur Partnerfindung und Nahrungsaufnahme sie nutzt. Aufgrund dieser Vielfalt an benötigten Lebensräumen und Strukturen verschärft sich die Bedrohungssituation für die meisten Arten.In der Land- und Forstwirtschaft aus Rentabilitätsgründen nicht mehr extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen, extensiv genutzte Weiden und Triften, sowie artenreiche Mähwiesen wachsen zu oder fallen wie Sträucher, Hecken und Waldsäume der intensiven Nutzung zum Opfer, werden gedüngt, begradigt, ausgeräumt und mit landwirtschaftlichen Spritzmittel, den Pestiziden, behandelt. Die Lebensräume werden hierdurch zerstört. Von den Pestiziden sind Falter auch weit mehr bedroht als man vermuten mag, da diese Mittel auch über Wäldern und in privaten Gärten eingesetzt werden.

Das können wir für Schmetterlinge tun

Mit gezielt ausgewählten Blühpflanzen, im Idealfall sind das unsere heimischen Pflanzenarten, können wir den Insekten ein reiches Angebot an Pollen- und Nektar bieten und damit einen großen Beitrag zu deren Schutz leisten. Denn viele Insekten verhungern, da sie auf ein bestimmtes Nahrungsangebot angewiesen sind, welches sie all zu oft nicht vorfinden. Zu viele Geranien, Hortensien, Rhododendren, Edelrosen, Bambus & Co. wachsen beispielsweise in unseren Gärten – Pflanzen, die den Tieren keine Nahrung bieten.
Das können und sollten wir ändern, indem wir unsere Gärten, Parks und auch öffentliche Flächen mit heimischen Blumen und Gehölzen bereichern.

Ein paar Fakten zum Rückgang unserer Insekten:
In seinem 2017 veröffentlichten Agrar-Report fasst das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zusammen:

  • die Insektenbiomasse ist deutlich rückläufig
  • auch Naturschutzgebiete sind betroffen (80 % Rückgang)
  • Vögel, Fledermäuse, Kleinsäuger sind bedroht, da sie sich von Insekten ernähren
  • 41 % der Wildbienenarten sind bestandsgefährdet
    (Entwicklung bezogen auf Deutschland über einen Zeitraum von 30 Jahren)

Zu guter Letzt könnten unsere Gärten und Grünflächen eine „neue Ästhetik” der Gartenkultur gut gebrauchen. Damit ist sicher nicht die Ästhetik der Schottergärten gemeint. Nein, es geht um die Bereitschaft, „Natur” mit all ihren Facetten wie Unordnung und Vielfalt, in unseren Gärten zuzulassen. Denn nur so können wir unsere Artenvielfalt erhalten und fördern.

Schmetterlinge lieben Blumenwiesen

Falter brauchen eher echte Wiesen als Blumenbeete

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Kleine Füchse an Witwenblumen. Foto: Holger Loritz

Es gibt viele blühende Saatgutmischungen, die als Blühwiesen, Insektenparadies, und mit vielen anderen Begriffen beworben werden. Es gibt auch einige Samenmischungen, die viele besonders für Schmetterlinge wichtige Pflanzenarten enthalten. Allerdings brauchen die meisten Schmetterlinge in erster Linie echte Wiesen und ihren traditionellen Pflegerhythmus.

Bläulinge

Weißlinge

Scheckenfalter

Dickkopf-Falter

Kostenlos abgerufen von: https://bluehende-landschaft.de/schmetterlinge