Netzwerk Blühende Landschaft
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Regionalgruppe Blühende Landschaft Rhön-Grabfeld

Blühprojekt „Blühende Energiepflanzen statt Mais“

Marzini-Mischung Foto: A. Seehaus-Arnold
Marzini-Mischung Foto: A. Seehaus-Arnold

Projekt-Start
Im Februar 2016 kamen bei der Sitzung „Heimatunternehmen“ verschiedene Vertreter von Organisationen des Landkreises zusammen, unter anderem waren auch der Bund Naturschutz (Kreisgruppe Rhön-Grabfeld) und der Bauernverband mit dabei. Dabei legte ich die Probleme der mangelnden Blühflächen und der zu spät blühenden Greeningflächen dar. Anschließend gab es einige Besprechungen zusammen mit Frau Marzini und Frau Dr. Illies von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), die meine Aussagen bestätigten. Den Vertretern des Bauernverbandes war nicht bewusst, dass die Greeningflächen eigentlich nicht für unsere Bienen geeignet sind und sie versprachen uns zu unterstützen.

Das Problem ist, dass die Blühmischungen, die statt Mais angebaut werden, unter keine staatliche Förderung fallen. Außerdem ist das Saatgut erheblich teurer als Mais und bringt im Durchschnitt rund 55% des Methanhektarertrags von Silomais (Ergebnis des Projekts "Ringversuch Bayern" - siehe hier ) . Dem stehen allerdings einige (ökologische) Vorteile im Vergleich zu Silomais gegenüber: Die Blühmischung hat eine Standdauer von 8 Jahren, d.h. sie muss nicht jährlich neu angesät werden. Sie ist artenreicher als nur Mais und hat einen längeren Blühaspekt. Die Fläche braucht nach der Anlage nur im Frühjahr (vor der Brutzeit der Vögel) zur Düngung und dann im Sommer (nach der Brutzeit der Vögel) zur Ernte befahren werden, also weniger oft als bei einer Maiskultur. Die mehrjährigen Blühflächen bieten daher auch Lebensraum für Vögel, Insekten und kleinere Wildtiere. Es ist daher wichtig, blühende Energiepflanzen zu fördern und weiterzuentwickeln, um der „Vermaisung“ unserer Landschaften Einhalt zu bieten.

Am Dienstag den 21. März 2017 fand deshalb in Bad Königshofen die Versammlung der Bioenergie Ostheim / Rhön GmbH & Co.KG statt. Frau Marzini hielt dazu einen sehr interessanten Vortrag. Die Biogas Ostheim / Rhön hat beschlossen, die Kosten für das Saatgut zu übernehmen und wir bekommen hier ca. 20 ha blühende Energiepflanzen, vor allem entlang des Haubachs.

Am 28. März 2017 war nochmals eine Veranstaltung an der Biogasanlage in Ostheim. Auch in Ostheim haben sich nochmal Landwirte bereit erklärt uns zu unterstützen und es entstehen hier nochmal ca. 5 ha blühende Energiepflanzen.

Am Samstag den 1. April 2017 war ich bei der Jahresversammlung der Jäger. Sie erklärten sich bereit nochmals ca 2 ha anzulegen.

Zusätzlich entsteht in Ostheim eine Versuchsfläche mit verschiedenen Energiepflanzen. Diese Jahr werden die Mischung „Marzini“ und eine Hanfmischung eingesät. Auf der restlichen Fläche werden als Platzhalter Ackerbohnen und Ackererbsen gesät. Im Januar 2018 wird dann eine Prärie-Mischung, die trockenresistent ist, die durchwachsene Silphie und die „Rhön-Silphie“ angebaut. Was ist denn das? Es wurde festgestellt, dass die durchwachsende Silphie eigentlich nur auf Flächen mit gutem Boden und guter Wasserversorgung gedeiht. Somit ist sie eigentlich nicht besonders für unsere trockene Rhön geeignet. Das Ganze soll dann in Ostheim getestet werden. Mal schauen, was da so rauskommt.

Warum gerade die "Marzini"-Mischung?
Diese Mischung wurde speziell für trockene, regenarme und schlechte Böden entwickelt. Sie wird Ende Juli, Anfang August – je nach Wetterlage – gemäht und blüht somit nochmal nach. Dadurch erfolgt noch einmal eine Nachblüte, vor allem vom Muskatellersalbei und unsere Bienen haben für die Aufzucht der Winterbienen genügend Pollen und ein wenig Läppertracht. Gleichzeitig bietet sie ideale Deckung ab Herbst für das Niederwild. 2012 – 2014 wurden bereits faunistische Zählungen durch die LWG durchgeführt. Dabei stellte man fest, dass sich die Population der Feldlerche erhöht hat und sogar das Braunkelchen wieder zu brüten angefangen hat.

Neu: Untersuchungen zum Stickstoffvorrat im Boden nach Flächenumbruch
Hier sieht man ganz deutlich, dass sich der Nitratgehalt im Boden im Vergleich mit Maisflächen erheblich verringert. Deshalb wurde vor allem das Gebiet um den Haubach ausgewählt, um die Nitratbelastung des Brunnens zu entlasten. Dazu ein Zitat von Frau Marzini: „Ich denke, bei strategisch günstiger Platzierung der Blühflächen, könnte man das Grundwasserproblem recht gut in den Griff bekommen. Vorstellbar wäre z.B., dass die Nitratgehalte im Grundwasserleiter durch den Wurzelfilter der Blühpflanzen gingen und als Unterflurdüngung den Blühpflanzen zur Verfügung stünden (= reduzierte Stickstoff-Düngung für den Landwirt). Dazu müssten die Flächen als Pufferflächen entlang der Bäche bzw. im Umgriff der Brunnen stehen.“. Es wäre weitaus günstiger wenn das Wasserwirtschaftsamt hier unterstützen würde, anstatt Überlegungen anzustellen für zig Millionen Euro eine Pipeline für Trinkwasser zu bauen. Vielleicht kann der Landrat hier unterstützend mitwirken und wir könnten ein Pilotprojekt für „sauberes Trinkwasser“ starten. Auf jeden Fall wäre es weitaus günstiger blühende Energiepflanzen zu fördern als eine Trinkwasser-Pipeline zu bauen.

Mehr Infos zu den Projekten des LWGs zur Energiegewinnung aus Wildpflanzen sind zu hier zu finden: http://www.lwg.bayern.de/landespflege/natur_landschaft/089725/index.php

Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks über das Pilotprojekt in Unterfranken - Frankenschau aktuell, 27.09.2017

Bericht von Annette Seehaus Arnold, April 2017

Kontakt:
Annette Seehaus Arnold
Tel: 09733-4561
Mail:


Mellifera e.V.