Netzwerk Blühende Landschaft
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Ansaaten mit gebietseigenen Pflanzen – ein wertvoller Beitrag für die Nahrungsgrundlage unserer Blütenbesucher

Gebietsheimisches Saatgut- Begriffsdefinition

Als gebietseigen (autochthon) werden einheimische Pflanzen bezeichnet, welche sich in einem bestimmten Naturraum über einen langen Zeitraum in vielfacher Generationenfolge vermehrt haben, sodass eine genetische Differenzierung und somit eine lokale Anpassung anzunehmen ist.

Zertifizierte Saatgutproduzenten vermehren Saatgut bestimmter Herkunftsregionen in definierten Produktionsräumen. Derzeit gibt es in Deutschland zwei Zertifikate, die für gebietseigenes Saatgut garantieren; VWW-Regiosaaten und Regiozert.

Für Ansaaten mit gebietseigenem Saatgut kann außerdem Mäh- und Druschgutübertragung von lokalen bzw. regionalen Spenderflächen gewonnen werden, die in räumlicher Nähe zu den Empfängerflächen liegen.

Schaffen auch Sie Mehr-Wert auf Ihren Blühflächen

Schotterrasen in Illertissen, Foto: Rieger-Hofmann
Schotterrasen in Illertissen, Foto: Rieger-Hofmann

Verkehrsinseln, Straßenränder an Ortseingängen oder Streifen an Ackerrändern stehen seit einigen Jahren immer häufiger in prachtvoller Blüte. Flächen die bisher in blütenlosem Grün erschienen, strahlen nun öffentlichkeitswirksam in satten Farben. Sie erfreuen Passanten und Bewohner und sorgen in der lokalen Presse häufig für positive Meldungen. Neben ihrem optischen Wert, wollen viele dieser Mischungen ein „Bienenparadies“, oder „Bienen- und Hummelschmaus“ sein. Das Engagement für eine blütenreiche Siedlungsbegrünung und Kulturlandschaft führt jedoch an einigen Stellen zu kontroversen Diskussionen unter Botanikern, Biologen und Naturschützern. Dabei ist besonders die Zusammensetzung von Saatgutmischungen der Kritik ausgesetzt. Einjährige „Exotenmischungen“ werden als „nicht nachhaltig“ bezeichnet. Ihnen werden ökologische Risiken unterstellt. Zudem sollen sie „nur“ für wenige nicht spezialisierte Insektenarten eine Nahrungsgrundlage bieten (Natur & Garten 3/2013).

Komma-Dickkopffalter, Foto: Holger Loritz
Komma-Dickkopffalter, Foto: Holger Loritz
Damit Blühmischungen nicht allein das Auge des Betrachters erfreuen sondern, auch einer großen Vielfalt an Blütenbesuchern als Nahrungsquelle dienen und keine Gefährdung für die Vielfalt unserer heimischen Pflanzenwelt darstellen, gilt es bei der Wahl einer Saatgutmischung verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Bei einer eingehenden/differenzierten Betrachtung dieses Themas sprechen ökologische, rechtliche sowie ökonomische Argumente eindeutig für die Verwendung gebietseigener Wildpflanzen.


Die Bedeutung der Herkunft von Saatgut für die Pflanzenwelt und unsere Blütenbestäuber

Deutschland verpflichtete sich mit der Unterzeichnung der Biodiversitätskonvention von Rio, die 1993 in Kraft getreten ist, den Erhalt unserer Biologischen Vielfalt (Biodiversität) zu bewahren und auf Dauer zu sichern.

Infolgedessen wurde im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben, dass ab 2020 in der freien Landschaft Pflanzen und Saatgut nur noch innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden dürfen. Das heißt, sie müssen „gebietseigen“ sein. Rein rechtlich fallen besiedelte Bereiche, innerörtliche Flächen sowie land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen nicht unter den Begriff freie Landschaft. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es trotzdem sinnvoll auch in besiedelten Bereichen gebietseigenes Saatgut zu verwenden. Schließlich ist eine Abgrenzung der freien Natur zu diesen Flächen nicht möglich. Außerdem gewinnen besiedelte Bereiche immer mehr an Bedeutung als wertvolle Lebensräume für Blütenbesucher, die auf heimische Pflanzen angewiesen sind und in der heutigen Agrarlandschaft immer weniger Nahrung und Lebensraum finden.

Welche Auswirkungen die Verwendung von gebietsfremdem Saatgut auf unsere heimische Flora haben können, zeigen Schlussfolgerungen wissenschaftlicher Untersuchungen aus dem Jahr 2001 (Keller & Kollman).

  • Gebietsfremde Pflanzen können ungenügende Anpassung an lokalen klimatischen Verhältnisse, an den Boden und an die Wechselwirkung ganzer Lebensgemeinschaften aufweisen.
  • Die Verwendung von gebietsfremdem Saatgut führt zu „Florenverfälschung“ - einer Veränderung und Verminderung der genetischen Vielfalt von lokalen Wildpflanzenpopulationen. Gebietseigene Wildpflanzenpopulationen können deshalb ihre lokale Anpassung verlieren.

Versuche, in denen die Folgen der Einkreuzung von Pflanzen gebietsfremder Herkünfte auf die Angepasstheit gebietseigener Pflanzen untersucht wurden, zeigten signifikante Veränderungen der innerartlichen Vielfalt und somit einen Verlust an Biodiversität. Deutlich messbar werden solche Veränderungen beispielsweise durch verschobene Blühzeitpunkte nicht gebietseigner Pflanzen gegenüber ihren heimischen Verwandten.


Hummel an Kornblume, Foto: H. Loritz
Die Blüte als Nahrungsgrundlage der Blütenbesucher stellt die wichtigste Schnittstelle der Pflanzenwelt mit der Welt von Biene, Hummel & Co dar. Sensible Lebenszyklen von stark spezialisierten Blütenbesuchern, wie jene vieler Wildbienen- und Schmetterlingsarten, können möglicherweise durch die Veränderungen der Pflanzenwelt gestört werden. Die Auswirkungen der engen Bindung an bestimmte Wirts- und Nahrungspflanzen in verschiedenen Entwicklungsphasen, kann sich durch einen verschobenen Blühzeitpunkt negativ auf Blütenbesucher auswirken. Für spezialisierte Wildbienen, die eine kurze Flugdauer von wenigen Wochen haben, kann eine Verschiebung des Blühzeitpunktes der essentiellen Nahrungspflanze von wenigen Wochen bedeutende Folgen für den Fortbestand der Art haben.

Eine Schweizer Untersuchung zum Blühzeitpunkt wichtiger Nahrungspflanzen für Insekten, zeigte, dass Pflanzen, die aus nördlicheren und östlicheren Regionen stammen, später als die einheimischen Exemplare blühen. Für Wegwarte, Margerite, Kornblume und Wilde Möhre wurden Verschiebungen von zwei bis drei Wochen nachgewiesen.


Saummischung, Foto: Rieger-Hofmann

Die Wissenschaftler leiten aus den derzeitigen Erkenntnissen im Sinne der Risikovermeidung eine klare Empfehlung ab:
Blühmischungen die in Ortsrandlagen oder in der freien Landschaft ausgebracht werden, sollten ausschließlich Saatgut heimischer Wildpflanzen enthalten und nur innerhalb ihrer Herkunftsregion vermehrt und ausgebracht werden.


Ansaaten mit gebietseigenen mehrjährigen Wildpflanzenmischungen – auch ökonomisch eine gute Alternative zu einjährigen Blühflächen

Nicht allein zur Blütezeit haben gebietseigene mehrjährige Wildpflanzenmischungen einen positiven Effekt auf die Nahrungsversorgung mehr oder weniger spezialisierter Insekten. Diese Mischungen bieten das ganze Jahr über Eiablage- und Puppenplätze und reiches natürliches Futter für Vögel und andere Lebewesen. Hinzu kommen neben den ökologischen auch noch ökonomische Vorteile.

Die Saatgutkosten von mehrjährigen gebietseigenen Mischungen sind zwar wesentlich höher als die der einjährigen (exotischen) Mischungen. Doch der einmalige höhere Aufwand zahlt sich trotz pflegerischer Maßnahmen über die Jahre durch langfristige Kostenreduzierung aus. Schließlich werden die Flächen für einen Zeithorizont von mehreren Jahren angelegt. Anpassungsfähigkeit an die regionalen Gegebenheiten, ausdauernde Lebensweise und ein Etablierungsvorteil gegenüber nichtheimischen Pflanzen halten Pflegekosten mehrjähriger Ansaaten langfristig auf niedrigem Niveau.

Eine Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran - Naturnahes Pflegekonzept der Gemeinde Haar

Die Gemeinde Haar verfolgt seit 1998 eine beispielhafte, naturnahe Strategie auf ihren öffentlichen Grünflächen. Mit dem Haarer Modell zeigt sie, wie umfassender Natur- und Umweltschutz im öffentlichen Raum erfolgreich gelingen kann. Entscheidend für den Erfolg in Haar, ist neben der guten Zusammenarbeit von Naturgartenplaner, Umweltreferent, Bürgermeister und Bauhofleiter eine ordentliche Portion Geduld und Ausdauer.

Bei der Gestaltung der Flächen wurde stets eine ansprechende Ästhetik, möglichst hohe ökologische Funktionsfähigkeit sowie gleichzeitig eine - finanziell wie kräftemäßig – noch leistbare Pflege angestrebt.

Ökologisch wertvolle Blühflächen schaffen – nachhaltig handeln!

Ihre Gemeinde oder der örtliche Imkerverein entschließen sich aktiv zu werden. Gemeindeeigene Flächen oder das Grundstück um den Lehrbienenstand sollen mit Blühmischungen eingesät werden. Was ist bei der Wahl des Saatgutes für diese Flächen zu bedenken, damit die Blühflächen im Sinne des Erhaltens und der Förderung der biologischen Vielfalt wertvoll sind und nachhaltig Tier und Mensch erfreuen?

Wenn Sie ein mehrjährig sicher leistbares Pflegekonzept – üblicherweise eine ein- bis zweimalige Mahd mit Abräumen des Mähgutes - durchführen können, dann bevorzugen Sie heimisches, bestenfalls gebietseigenes Saatgut, welches auf die Standortbedingungen wie Klima, Boden und Exposition abgestimmt ist. Ziehen Sie mehrjährige Blühmischungen den kurzlebigen einjährigen Mischungen vor und fördern Sie damit die Biodiversität!

Kontakt und kostenlose Beratung:
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Fischermühle 7
72348 Rosenfeld
Tel. 07428 945 249 28
Email: .

Information zu gebietseigenen Wildpflanzensaatgut (In Kürze wird es an dieser Stelle eine Gegenüberstellung der beiden Zertifikate für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut geben.)
www.natur-im-vww.de
www.regiozert.de

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